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Tapete Records machte am 10. September mit »Sit down and sing« Station im Societätstheater
Soll das der als Moderator angekündigte Dirk Darmstaedter sein? Nein, ist er natürlich nicht, wie seine Vertretung Alaska Winter prompt verkündet. Der »Tour-Vati« lässt sich aus persönlichen Gründen entschuldigen. Der spontan eingesprungene Winter, von Hause aus Produzent und Musiker, macht seine Sache in seiner unaufgeregt-fränkischen Art sehr gut. In Dieter-Thomas-Heck-Manier kündigt er die Startnummer 1 des Abends an: Tim Neuhaus. Wie jeder der drei Acts spielt der rotblonde Mit-Dreißiger zunächst ein Solo-Set, bestehend aus vier Stücken. Dabei passt er am wenigsten in den abgesteckten Singer/Songwriter-Rahmen. Sonst mit eigener Combo unterwegs, gelingt ihm an diesem Abend das Kunststück, auch solo nach Band zu klingen. Dazu trägt ein selbst gebasteltes Schlagzeug in Form eines offenen, hochkant stehenden Koffers bei. Darauf und daran hat Neuhaus skurrile Materialien von einer Ledertasche bis zu Bambusstöckern befestigt, aus denen er mit ebenfalls selbst gemachten Drum-Besen unglaubliche Sounds hervorzaubert. Dazu spielt er professionell Gitarre, spannender aber sind die Loops, die er live aufnimmt. Mit Händen und Füßen bedient er teilweise parallel Glocken, eine Art einfaches »Fuß-Keyboard« und natürlich besagtes Schlagzeug. Der Mann aus dem Hause Grand Hotel Van Cleef ist ein echter Allroundkönner, der auch noch mit einer Stimme punktet, die zwischen Tiefe und Falsett viele Töne trifft.
Die Startnummer zwei des Abends gehört The Late Call aka Johannes Mayer, der bereits drei Alben veröffentlich hat. Der Deutsche zog wegen einer Frau nach Stockholm und fand im Norden auch sein musikalisches Glück. Mit ihm steht der klassische Singer/Songwriter mit Akustikgitarre auf der Bühne. Mayer strahlt eine beruhigende Natürlichkeit aus, die wunderbar zu seinem melancholischen Folkpop passt. Dazu diese schwermütige Stimme. Genau so muss Skandinavien klingen.
Als Alaska Winter den dritten Act ankündigt, merkt man ihm ein wenig seine Aufregung ob des international bekanntesten Namens an diesem Abend an – trotz des siebten Tour-Tages. Ken Stringfellow war Frontmann der Indie-Haudegen The Posies und spielte mit Größen wie R.E.M. und Neil Young. Mit seiner Gitarre hüpft er gleich zu Beginn ganz uneitel von der Bühne und ist damit so nah dran am Publikum, dass man seinen Atem spüren konnte. Seine Stücke sind mal gefühlvoll und dann wieder voller unbändiger Energie. Zwischendurch setzt er sich ans Piano und gibt voller Inbrunst und passend zur Location einen cabaretartigen Song zum Besten. Gänsehaut stellt sich ein, als der Mit-Vierziger ein bezauberndes Duett mit Linda Dietrich von der Dresdner Band Rookfly intoniert. Der Mann hat aber nicht nur musikalisches Charisma, sondern auch Entertainerqualitäten. Etwa wenn er die Geschichte von seiner Gitarre erzählt, die vom Black-Sabbath-Gitarristen stammt. Oder wenn er sich an seinen letzten Urlaubstag und die sonnenverbrannte Haut erinnert, die er in Fetzen abziehen konnte. Letzteres demonstriert er auch prompt mit heruntergelassenen Hosen.
Nach einer Pause folgt Teil zwei der Show mit diversen geplanten und improvisierten Kollaborationen der Künstler. So schleichen sich Neuhaus und Stringfellow auf die Bühne, um plötzlich The Late Call mit Backgroundgesang zu unterstützen. Tim Neuhaus wiederum erhält bei einem seiner Lieder Support von den anderen beiden an Piano und Mikrofon. Ganz zum Schluss haben alle drei Tuchfühlung mit dem Publikum aufgenommen, um einen Song von Glen Hansard zu performen. Toller Abschluss eines Abends, bei dem der Spaß auf der Bühne genau so groß geschrieben wurde wie im Saal. Stefan Bast/ Fotos: Katharina Rudolph




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