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»Saufen, Saufen, jeden Tag nur Saufen!« – Die Kassierer im Konk Klub.
23. September 2017 – An diesem Samstagabend bewiesen »Die Kassierer« ein weiteres Mal, dass sie nach 30 Jahren Bühnengeschichte immer noch Vollgas geben können – selbst wenn der Frontmann Wolfgang »Wölfi« Wendland mit Krückstock auf die Bühne kam und den Großteil des Auftritts sitzen musste, weil er »besoffen die Treppe heruntergefallen« sei, wie er sagte.

Nachdem die mittelmäßige Vorband überstanden war, begann der fulminante Auftritt der »Kassierer« mit Richard Wagners »Ritt der Walküren«. Über das Stück war natürlich eine heroische Ansage der Band gelegt. Als diese anschließend die Bühne betrat, tobte die Menge und »Wölfi« verwandelte sich sogleich in den altbekannten oberkörperfreien, bierbäuchigen Kobold der deutschen Punk-Szene. Es war schon fast ein bisschen lächerlich, dass da einige Gäste unbedingt noch »Ausziehen« rufen mussten. Man ist ja von den »Kassierern« nichts anderes gewöhnt. Unter einem ironischen Kommentar und fast schon ein bisschen gekränkt, zog er dann aber doch blank und stimmte sogleich das Lied »Mein schöner Hodensack« an, was natürlich gebührend gefeiert wurde.

Das Publikum, das zu 90 Prozent aus Männern bestand und allem Anschein nach die feinsinnige Ironie dieser Band nicht verstanden hatte, musste anschließend aufgefordert werden in einem »heiligen Reinigungszeremoniell« dem Sexismus abzuschwören. Gebetsartig wiederholte die Menge die Worte: »nein, nein, nein Sexismus ist gemein.« Das hat gewirkt! Man hörte aus der prollig betrunkenen Masse nur noch vereinzelt die Worte »Ficken« und »Saufen« heraus.

Einen Tag vor der Bundestagswahl ging es dann auch noch äußerst politisch zu. Schließlich ist Wendland dieses Jahr mit der Partei »DIE Partei« im Wahlkreis Bochum zur Bundestagswahl angetreten. Sein Ziel sei es Atomminister zu werden und nicht mehr arbeiten zu müssen. Früher war er auch schon bei der APPD (Anarchistische Pogo-Partei Deutschlands ) und der POP (Pogoanarchistische Populisten) aktiv gewesen. Die Band fasste die Stimmung im Land treffend mit dem Song zusammen »Mir ist alles piepe, mir ist alles schnurz«. Auch hier gab es rasenden Applaus, obwohl man deutlich spürte, wie die Ironie vom Großteil des Publikums gar nicht verstanden wurde.
Nachdem sie das Lied »Erdrotation«, mit dem sie sich für den Eurovision Song Contest beworben hatten, (natürlich playback) spielten, präsentierten sie eine kleine Kabarett-Nummer. Dazu tauchte plötzlich der nackte Gitarrist Nikolaj Sonnenscheiße mit einer Donald-Trump-Maske auf. Der Schlagzeuger Volker Kampfgarten zog sich einen Gummi-Handschuh über den Kopf und versuchte das Rektum des Präsidenten zu erforschen, um zu sehen, wie es »in so einem perversen Faschisten-Arschloch wirklich aussieht.« Anschließend rannte der Bassist Mitch Maestro mit einem farbigen Eimer über die Bühne. Donnerwetter!
Stephan Zwerenz

Weitere Informationen unter www.kassierer.com



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