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Perplex im Societaetstheater
Angekündigt hat sich das Stück »Perplex« von Marius von Mayenburg im Societaetstheater mit verrückten, sich ständig wechselnden Szenen. Dem ist auch so. Völlig unerwartet reihen sich Situationen aneinander, die den Zuschauer wahrhaft perplex werden lassen. War Eva gerade noch die Frau von Robert, die beide gemeinsam aus dem Urlaub zurück kommen, so ist sie plötzlich das Au-Pair, welches auf Robert, den Sohn von Sebastian und Judith aufpassen soll. Die Namen der Darsteller/innen bleiben die ganze Zeit die gleichen, aber ihre Identitäten ändern sich minütlich, was die Spannung und den Witz der ganzen Sache gleichzeitig steigert.
Genauso plötzlich kettet sich Tabuthema an Tabuthema: Ehebruch, Kindeswohlgefährdung, Nationalsozialismus, Generationenkonflikt, Homosexualität, Mord, Gotteslästerung... Es gibt fast nichts, was an diesem Abend ausgelassen wird. Einfach so wird es ans Licht gebracht, manchmal schockierend, manchmal eiskalt dem Zuschauer aufgetischt. Die Szenen sind schnelllebig und durcheinander, wie das Leben. Die Realität wird ständig auf den Kopf gestellt. Ist es nicht manchmal auch besser der Wahrheit zu entfliehen?
Das Vier-Personen-Stück überzeugt vor allem durch die darstellerischen Leistungen. Ständig und nahezu unmerklich schlüpfen die Schauspieler in neue Charaktere. Selbst das Bühnenbild spielt die ganze Zeit mit. Dem Regisseur Volker Metzler ist hier eine Inszenierung gelungen, die immer wieder neuen Interpretationsspielraum eröffnet. Das merkt man spätestens dann, wenn man am Ende des Stücks scheinbar wieder beim Anfang raus kommt, aber es sich wieder anders dreht, als man es vermutet. Anne Berger/ Fotos: Detlef Ulbrich

Weitere Aufführungen: 28.9./29.9.2012



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