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»Nur im Irrenhaus sind wir noch frei«: Theatertruppe »Blockseminar« präsentiert »Die Physiker« im Projekttheater
Mit strengem Blick und hocherhobenen orangefarbenen Regenschirm weist uns Schwester Marta gleich einer Reiseleiterin als personifizierte Regieanweisung in die Handlung ein. Wir befinden uns im Sanatorium der weltbekannten Irrenärztin Mathilde von Zahnd. Die alte Villa der privaten Irrenanstalt bewohnen die drei Physiker Herbert Georg Beutler, Ernst Heinrich Ernesti und Johann Wilhelm Möbius. Zu Gast ist außerdem die Polizei, um den zweiten Mord innerhalb der Anstalt zu untersuchen. Ernesti, der sich für Albert Einstein hält, erdrosselte eine Krankenschwester, wie auch schon Beutler, der sich wiederum für Sir Isaac Newton hält, vor ihm. Möbius behauptet dagegen, dass ihm der König Salomo erscheint und ihm das »System aller möglichen Erfindungen« anvertraut. Als er nun auch er seine Schwester ermordet, folgt eine Reihe ungeahnter Enthüllungen. Daraus entspinnt sich schließlich die Debatte um die Verantwortung der Wissenschaften, für die das Stück so bekannt ist.

Friedrich Dürrenmatts Zweiakter gehört zu den erfolgreichsten und meistgespielten Tragikomödien im deutschsprachigen Raum. Doch davor schreckt die junge Theatertruppe nicht zurück und liefert mit »Die Physiker« ihr Debüt. Das Ensemble besteht größtenteils aus ehemaligen Schülern des St. Benno Gymnasiums, die bereits am dortigen Schultheater mitgewirkt haben. Allen Verehrern Dürrenmatts ist diese erfrischende Inszenierung aufgrund ihrer enormen Texttreue durchaus zu empfehlen. Hier zeigen kleine Ideen im Umgang mit Bühnenbild und Requisite ihre große Wirkung. So werden zum Beispiel ausschließlich Wiener Würstchen als nikotinhaltige Genussmittel missbraucht. Natürlich handelt es sich bei dieser Inszenierung um Amateurtheater, weshalb sich gelegentlich mal verhaspelt wird und die Nervosität der Darsteller zu Beginn noch spürbar ist, aber genau diesen menschlichen Charme misst man doch gelegentlich auf der großen Bühne. Die jugendlichen Energiebündel von »Blockseminar« sind mit Herzblut und Detailliebe am Werk und das bereitet Freude beim Zuschauen. Nicole Scheffel

Nächste Vorstellungen: 25. & 27.06.2014, jew. 20 Uhr projekttheater.



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