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Kurztrip nach Indien: »Bisarjan – Das Opfer« im tjg.
Rabindranath Tagore, Zeitgenosse Ghandis, Freimaurer und erster asiatischer (Literatur-)Nobelpreisträger ist ein bedeutender bengalischer Schriftsteller, Komponist, Philosoph und eine überaus interessante Persönlichkeit. In den 20er Jahren waren seine Schriften in Deutschland Bestseller, heute ist er zu Unrecht in Vergessenheit geraten. Mit einem seiner Stücke tourt das Tripura-Puppentheater aus Indien durch Deutschland und macht auch Station im Theater Junge Generation. In »Das Opfer«, das als eines seiner bedeutendsten Stücke gilt, geht es um Intrigen, religiösen Eifer und die Sinnlosigkeit eines Blutopfers und es ist ein Statement gegen religiöse Orthodoxie. Alles in allem eine interessante Kombination, die dennoch nur ein überschaubares Häufchen an diesem schwülen Sommerabend ins tjg lockt. Vor dem Stück gibt es eine Einführung und vor jeder Szene eine kurze Inhaltsangabe. Das ist auch notwendig, denn es wird Bengali gesprochen. Nun ist es ja eben das Schöne am Theater, dass es durch seine vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten Verständnisebenen jenseits der Sprache öffnet und ein Mitempfinden möglich macht. Leider nicht in dieser Aufführung. Die realistisch und liebevoll gestalteten Marionetten sind märchenhaft schön, aber es wird ununterbrochen gesprochen und bis auf ausladende Gesten kaum gespielt. Da sitzt man also und hört zu, wie exotische Puppen einen unverständlichen Text sprechen. Das hat schon etwas Skurriles, besonders da man im Hintergrund auch die Akteure untereinander reden hört und einmal sogar ein Mobiltelefon klingelt. Hier treffen Welten aufeinander, in Indien stört so etwas wahrscheinlich niemanden, der deutsche Zuschauer ist irritiert. Alles in allem wirkt das Stück in seiner Steifheit wie ein schulmeisterliches Lehrstück, eine Metaebene sucht man vergebens. Oder ist diese in der Sprache versteckt, ebenso wie die Poesie und würde sich im Verstehen erschließen? Der wohlmeinende Besucher bleibt ratlos und ist erleichtert, als das Stück schon nach 50 Minuten zu Ende ist. Das ist kein fröhliches Stück multikulturell geübter Künstler und so ist ein Hineintauchen nicht möglich. Aber es ist authentisch und das macht es zumindest zu einer interessanten Erfahrung. Anne Jung

nächste Vorstellung: 12.9.2012, 10 Uhr.



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