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Keine Verlierer, nur Gewinner – Das Finale des sound of dresden 2016.
Erstmals fand der zum zwölften Mal ausgetragene bedeutendste lokale Music Contest nicht in einem klassischen Rockclub, sondern in der Tonne statt. Die neue Location am alten Ort unterm Kurländer Palais wird in erster Linie als Jazzclub wahrgenommen, will aber für alle Styles offen sein. So passte der diesjährige sound of dresden durchaus in die Programmatik der Tonne. Denn in musikalischer Hinsicht war das diesjährige Finale stilistisch weit gefächert und so hochklassig besetzt, dass es keinen Durchhänger gab.

Das erste dicke Ausrufezeichen setzte Ansa, der als Singer/Songwriter lange solo unterwegs war und nun mit Band im Rücken ein rockiges Set präsentierte. Seine Songs sind (zumal mit Bandverstärkung) stark und die deutschen Texte so emotional wie außergewöhnlich, sodass wir garantiert noch von Ansa hören werden. Ego, Me & You hatte es als ein mit Cello, E-Piano und Akustik-Gitarre ungewöhnlich besetztes Trio danach schwer, das Publikum zu fesseln. Die ruhigen, country- und folkverhafteten Songs sind großartig, kamen aber etwas verhuscht mit wenig Verve und mit nicht eben überschäumender Spielfreude von der Bühne. Schade eigentlich, denn Ego, Me & You können es sicher besser. Say Meow machten es genau richtig. Kein Wunder, waren sie doch nach ihrer Akustiktour bestens eingespielt. Sie präsentierten sich als Akustiktrio, was der Schwangerschaft von Frontfrau Enna geschuldet war, die stimmlich absolut überzeugte. Der Druck, der da von der Bühne kam und das perfekte Zusammenspiel, waren offenbar so erstaunlich, dass mich eine zufällig ins Finale geratene Frau aus Hamburg darauf hinwies, indem sie meinte, dass hier ja wohl absolute Profis auf der Bühne stünden und keine Newcomer. Mit den Cameron Lines wurde es dann laut und dreckig. Der rumpelige Garage-Rock des Gitarre-Drum-Duos ist mit Absicht roh und unperfekt arrangiert, doch übertrug sich die Energie und Leidenschaft, mit der die Beiden agierten, nahezu ungefiltert. Die eigentliche Entdeckung des Abends dürfte für viele wohl aber Loop Motor gewesen sein. Über eine Wild Card der Jury ins Finale gelangt, schaffte es Sanni alias Loop Motor mit großartigem Beatboxing, ihrer wandelbaren Stimme und originellen Looping-Sounds und -Beats zu überzeugen und wurde beinahe zum Publikumsliebling gekürt. Über den Pokal als Publikumsliebling durfte sich dann aber die Offbeat Cooperative freuen. Ihr weltoffener Sound ist eine kuriose, in Bauch und Beine gehende Mischung aus Ska, Reggae, Rocksteady, Folk und Polka, die Spielfreude ist definitiv ansteckend.

Unterm Strich bleibt ein qualitativ überzeugender Abend, an dem es sechs verschiedene musikalische Handschriften zu erleben gab, die allesamt mehr Aufmerksamkeit verdient haben, als ihnen bislang zuteil wurde. Rany, der selbst schon einmal vor Jahren mit seiner Band im Finale des sound of dresden gespielt hat, präsentierte als Moderator die Finalisten ein wenig launisch, was aber der Stimmung keinen Abbruch tat. Backstage konnte man den Eindruck gewinnen, da sei gerade ein Familientreffen im Gange und gemeinsam auf der Bühne durften sich dann alle Finalisten als Gewinner fühlen.
Musiker haben zumeist keine Berührungsängste, was die Genres betrifft, doch existiert offenbar eine unsichtbare Trennlinie zwischen der Jazz- und der Rock/Pop-Club-Fraktion, so wie auch eine räumliche Distanz zwischen der quirligen Neustädter Szene und der so gut wie clubfreien Altstadt besteht. Anders ist es wohl nicht zu erklären, warum die Tonne am 24. März, bestückt mit einem solch spannenden musikalischen Programm, nur zu zwei Dritteln gefüllt war. Vor dem Finale fand übrigens noch ein informatives Panel zur Situation der Populärmusikszene mit Musikkreativen und Musikern auf dem Podium in der Tonne statt, bei dem aus Zeitgründen die Podiumsdiskussion leider ein wenig zu kurz kam. Dafür findet sich dann sicher Gelegenheit bei der Impulskonferenz »music:match«, die vom 29. April bis 1. Mai in Dresden debütiert. Jay Nolting




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