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Kant hat den Kasper gedisst – Das tjg zeigt »Klassiker, sämtliche«

13. Februar 2016 – Was für ein Heidenspaß! Gott ist unterwegs auf dem »Highway to Hell«. Und das ist erst der Anfang. Das Ensemble des tjg-Puppentheaters rattert Klassiker der Weltliteratur einfach so runter, alle. Oder zumindest einige davon. Wahrscheinlich die, die den Darstellern am besten gefallen. Welche das sind? Tja, da kann man sich bisschen selbst testen und den Grad der eigenen humanistischen Bildung ausmessen, indem man einfach zuhört und überlegt. Ganz einfach ist das nicht. Kaum ein Text kommt in seiner reinen Form daher.

Aus dem dünnen gelben Reclam-Heftchen haben sich die Figuren ins Freie gestrampelt und sagen endlich mal ihre Meinung. Denn einfach haben die es überhaupt nicht. Da wird die Jungfrau von Orleans von einem kaum 30 Zentimeter großen Wicht am Zopf über die Bühne gezerrt, während in der Ecke leise »Amazing Grace« gesungen wird. Und der Kasper wurde ausgerechnet von Kant aus dem Theater vertrieben.

Das ist ein Riesengaudi für Darsteller und Publikum, ein Fest für das Theater und für das kulturelle Erbe. »Friede den Hüten! Krieg den Palästen!« War doch so, oder? Und Nietzsche stellte damals fest: »Gott ist weg!«. Aber wo is'er denn? Macht er Urlaub in Frankreich? Der Pudel ist hier zwar rosa statt schwarz, spricht aber trotzdem. Und »der KnopfgießerIN« malträtiert den armen Peer Gynt, der nichts weiter tun kann, als den Kopf zu schütteln.


Dieser Ritt durch die Literatur ist so unbekümmert wie respektvoll. Von wegen schwere Traktate und philosophische Tiraden. Hier steppt der Bär. Und nicht nur einer. Die Altersangabe »ab 16« empfiehlt sich angesichts der Texte wohl schon. Jüngeres Publikum würde vielleicht doch irgendwann ungeduldig auf dem Stuhl hin und her rutschen. Spaß an diesem Aufgebot unterschiedlichster Figuren hat aber wohl jedes Alter. Und wer dann doch gerade mal nicht drauf kommt, um welchen Text es sich gerade handelt: Diese Inszenierung lässt niemanden im Regen stehen und gibt den entscheidenden Hinweis. Man muss aber aufpassen und sehr schnell hinschauen. Aber so entscheidend ist das am Ende gar nicht.

Rico Stehfest / Fotos: Dorit Günter

»Klassiker, sämtliche«: nächste Vorstellungen des tjg im Rundkino am 26. und 27. Februar 2016



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