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Johnossi live im Beatpol
Den beiden Schweden John und Ossi eilt ihr Ruf als grandioser Live-Act mit ordentlich Rums voraus. Kein Wunder, schließlich touren sie schon seit über einer halben Dekade kreuz und quer durch Europa, um die Fans mit ihren knackigen Indie-Hits zu beglücken. Seit ihrem fulminanten Debüt 2006 hat sich jedoch einiges getan. Ohne Scham wurde in den letzten beiden Alben mit großen Gesten gespielt und in Richtung glatt gebürstetem Breitwand-Stadionsound à la U2 geschielt. Mit diesem Hintergedanken im Kopf waren die Erwartungen an das Konzert im Beatpol zugegebenermaßen nicht sonderlich hoch. Doch – soviel sei schon vorweg genommen – auf der Bühne können sie immer noch vollends überzeugen.

Der Beatpol ist an diesem kalten Montagabend des 30. September erstaunlich gut gefüllt. Nach der Vorband, die ganz unprätentiös mit Schlagzeug, Bass und Saxophon skurrile Instrumentalstücke zum besten gab, ließen Johnossi im Anschluss daran nicht lange auf sich warten. Doch halt, seit wann ist da während der Live-Gigs noch ein dritter Musiker auf der Bühne? Sicherlich tut dies dem Sound nur gut, aber bei einer Band, die durch das grandiose Zusammenspiel von nur zwei Leuten überhaupt ihren besonderen Status geerntet hat, erscheint diese Konstellation zunächst doch ein wenig gewöhnungsbedürftig. Aber gut, die Schnörkellosigkeit haben Johnossi in den letzten Jahren ja hinter sich gelassen. Von daher war dieser Schritt wohl nur konsequent. Während des Konzerts kam dafür jeder auf seine Kosten: Vom straighten »Execution Song« bis hin zum flächigen »Into The Wild« wurde das gesamte Repertoire ihrer vier Alben ausgeschöpft. Erstaunlich, wie viele Hits die beiden schon auf ihrer Habenseite haben. Nebenbei wurde sich noch an einem Arcade Fire-Cover versucht. Mutig, mutig – aber Versuch geglückt! Gegen Ende wollten die beiden es noch einmal wissen und bei der Zugabe »Man Must Dance« grölte der ganze Saal mit. Nachdem als letzter Song noch einmal die Vorband auf die Bühne kam, um gemeinsam den Song »Roscoe« zu einem epischen Abschluss zu bringen, wurde das Publikum nach weniger als 1.5 Stunden auch schon wieder in die nächtliche Kälte entlassen.

Unterm Strich hätte der Performance vielleicht ein bisschen weniger Abgeklärtheit und ein bisschen mehr Rock & Roll ganz gut getan Das Publikum fraß den beiden jedoch von Beginn an aus der Hand, sodass die Zeit wie im Fluge verging. Mehr Erwarten kann man doch eigentlich gar nicht – vor allen Dingen an einem Montagabend. Danilo Rößger




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