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Hamed Abdel-Samad in Dresden
Am Donnerstag, den 13. September 2018, hat der deutsch-ägyptische Politikwissenschaftler, Publizist und Islamkritiker Hamed Abdel-Samad im gut besetzten Saal in der Dresdner Dreikönigskirche zunächst einen Vortrag gehalten und sich danach gemeinsam mit Petra Köpping, der Sächsischen Staatsministerin für Gleichstellung und Integration, zum Publikumsgespräch aufs Podium gesetzt.

Anlass des Abends war die Vortragsreihe zu Abdel-Samads letzter Publikation »Integration – Ein Protokoll des Scheiterns«. In dem Buch mit dem provokanten Titel kritisiert der Autor die mangelhafte Integrationspolitik Deutschlands, die bereits vor der Flüchtlingskrise Zugewanderte in Parallelgesellschaften entließ, in denen sie sich zum einen radikalisierten, zum anderen daran gehindert wurden sich in die Gesellschaft einzufügen und sich mit ihr zu identifizieren.

Abdel-Samad wird vorgeworfen, dass er mit seinen Auslassungen Rechtspopulisten in die Hände spiele. Er nahm auch gestern Abend Stellung dazu und sagte, dass es nichts bringe, reale Missstände unter den Tisch zu kehren, nur um mit der einen oder anderen Partei anzubändeln. Vielmehr kritisierte er Linke, Grüne und SPD dafür, dass sie ihrerseits diese Argumente von ihm nicht aufgenommen hätten und dass erst eine AfD kommen müsse, um dieses strukturelle Problem anzusprechen. Es gehe ihm schließlich auch darum, das Thema in den Diskurs und in die Mitte der Gesellschaft zu bringen. Er zog dabei auch Zahlen heran, nach denen zur Zeit in Deutschland mehr rechtsradikale Türken als Deutsche statistisch erfasst seien. Die Politik sei maßgeblich dafür verantwortlich, dass diese Probleme nicht angesprochen und somit auch nicht bekämpft werden könnten.

Hamed Abdel-Samad ist davon überzeugt, dass man auch Befürchtungen von rechts ernst nehmen muss, denn gerade die Gesprächsverweigerung und das pauschale Aburteilen führe zu einer Radikalisierung an den Rändern der Gesellschaft. Im ruhigen und präzisen Vortragston erklärte er, wie dabei auf allen Seiten dieselben Prinzipien greifen. Aus Ängsten würde Hass, aus Hass würde Ekel entstehen und auf Ekel würde schließlich Ausgrenzung und Gewalt folgen. Man könne dies in der aktuellen Debattenkultur auf allen Seiten beobachten. Dabei bekräftigte er, dass es dennoch gewisse Einschränkungen geben müsse. Es könne nicht sein, dass sich besorgte Bürger mit Rechtsradikalen auf die Straßen stellten. Man müsse als Normalbürger allein schon aus strategischen Gründen die Rechtsradikalen aus den Demonstrationen verbannen, um selbst noch ernst genommen zu werden. Herabwürdigung und Entmenschlichung, egal auf welcher Seite man stehe, lassen nur Hass und Unverständnis für den anderen zurück und müssten mit allen Mitteln bekämpft werden.

Petra Köpping griff dies im anschließenden Gespräch auf und sagte: »Wir müssen aufhören zu pauschalisieren und anfangen zu differenzieren.« Schließlich gebe es nicht »die Asylanten, die Flüchtlinge und auch nicht die Politiker«. Die Menschen und die Integrations-Probleme seien zu komplex, als dass man darauf einfache Antworten finden könnte. Abdel-Samad stimmte ihr zu, ergänzte sie aber darin, dass man sich auch auf keine pauschalen Lösungen berufen dürfte. Er nannte dabei als Beispiele das Konzert gegen Rechts in Chemnitz und auch »Kampagnen mit Gesichtern«, die einem suggerierten, dass alles in Ordnung sei. Stephan Zwerenz




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