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Gedankenreisen – Das Finale der DRESDNER Miniaturen im Lofthouse
Literatur will erlesen sein, aber auch gehört werden. Es geht um den Eindruck, den der Text beim Leser erweckt und um das Gefühl, das vermittelt wird. Das zum zweiten Mal ausgerichtete Finale des Kurzgeschichten-Wettbewerbs »DRESDNER Miniaturen« setzte nun die kreativen Köpfe hinter den Texten ins Bühnenlicht. Am 14. Mai 2017 sollten die sechs Finalisten im Lofthouse in jeweils zehn minütiger Lesung ihr literarisches Können beweisen. Mit dabei waren Dichter, die auch schon den einen oder anderen Literaturpreis gewonnen, Romane geschrieben haben oder zu schreiben beabsichtigen und die bereits Prosa-Texte in Literaturzeitschriften veröffentlicht haben.

Den Einstieg meisterte René Markus mit den Worten der gleichnamigen Short Story »Es ist still«. Die detailierte Beschreibung seiner Gedankenwelt, ließ das Publikum inne halten. Sie sahen zu Boden, versuchten einen Punkt zu fixieren, auf dem das Geschehen sich zeichnen konnte. Nach diesem Einstieg leitete Kathrin Bellmann dann die Analyse eines Wortes ein. Es war die kleine Ideenfindung zu einem Begriff ohne Inhalt. Die Spannung lag einzig auf »Kalbun«, seinem Klang, einem Laut, der für sich sprach, denn kein anderer hatte diesem Wort, zumindest im Deutschen, je einen Sinn zugesprochen. Ivar Bahn stand als nächster auf dem Plan. Er entschloss sich dazu, einzig seine Miniatur »Lichter« vorzutragen. Nicht weniger aber zog er das Publikum damit in seinen Bann. Eine wohl geübte Erzählstimme und gekonnte Pausen, ein prüfender Blick in die Menge und eine unerschütterliche Souveränität füllten seine wenigen Worte mit Geschichte und Nostalgie. Aber auch in der nächsten Darbietung durften die Zuschauer den Blick durch die Kinderaugen beibehalten. Ein »Perlmutversteck« hatte es uns nun angetan: Steffen Roye beschrieb Marie, die sich vor dem »lieben Onkel Michelsen« in einem Schneckenaus versteckt. Das Publikum fühlte sich ein wenig unwohl, denn ein solches Thema hatte hier wohl niemand erwartet. Benommen und gefasst verfolgten wir das Schicksal der kleinen Marie. Nach diesem Schock wurden die Lauschenden dann in die kreativen Arme von Hannah-Sophie Fuchs geführt, die von dem Wunderbaren erzählte. Ihre besonderen Perspektiven, der Detailreichtum, die Zeitsprünge, Andeutungen und ein ganz besonderer Aufbau der Textkomposition erzeugten eine besondere Spannung. Das Ende blieb offen. Einen letzten Namen sollte es dann aber noch geben: Hey, Palsson! Sein Stil war geprägt von Witz und Prägnanz. Mit kurzen, aber wirkungsvollen Szenen, einer gekonnten Betonung und einer fast sarkastischen Ruhe, gab er sehr bildhaft und eindringlich wieder, wie es war, den perfekten Pfirsich zu essen. Auch diese Kürze war würzig und prägte zu vorgerückter Stunde ein heiteres, aufgewecktes Schlusswort.

Die talentierten Autoren boten also durch verschiedene Blickwinkel eine Kostprobe der vielfältigen Wirkung von Literatur. Umso schwerer war es dann für die Jury, einen Sieger, eine Siegerin zu küren. Der Musiker Rany Dabbagh eröffnete und untermalte zwischen den beiden Leseblöcken mit akustischen Soulpop-Songs und Improvisationen und auch der Moderator und »Büchers Best«-Inhaber Jörg Stübing, bestens vorbereitet und souverän, sprang spontan mit der Mundharmonika dazu und setzte Ranys Songs ein Sahnehäubchen auf. Nachdem alle Stimmen des Publikums ausgezählt waren und die Jury zu einer Entscheidung gelangte, wurden die sechs Finalisten dann noch einmal auf ihre Bühne gebeten. Hannah-Sophie Fuchs hatte die Jury letztlich auf ihre Suche nach dem Wunderbaren mitgenommen. René Markus gewann das Publikum für sich. Aber auch die anderen Teilnehmer gingen nicht leer aus, »denn so etwas sollte es in der Welt einfach nicht geben«, wie Jörg Stübing betonte. Aus diesem Grund durften auch alle anderen Teilnehmer Büchergutscheine und ein Blümlein mit nach Hause tragen – ein gelungenes Finale für einen gedankenreichen und kreativen Abend voller Gewinner. Luisa Pfannstiel




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