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Europäische Leistungsschau – Das modul dance Festival im Festspielhaus Hellerau
Das Hellerauer Team um Dieter Jaenicke ist Teil eines europaweiten Förderprojektes für junge Choreographen und assoziierte Künstler. Jetzt werden bis 10. November erste Ergebnisse präsentiert. Den Auftakt macht die iranisch-norwegische Impure Company mit ihrer performativen Installation »Once upon a time country«, die noch bis Sonntag ständig weiter entfaltet wird. Vor dem Hintergrund der politischen Unruhen im Iran verdichtet diese Arbeit den Eindruck von Krieg und Terror in einer allgemeingültigen Form. Fast ängstlich verkriecht sich diese Arbeit an die Rückwand des Dalcroze-Saals; der Raum für den Zuschauer davor ist viel zu groß. Schon allein diese Wirkung ist enorm. Weiße Tücher vor den so anonymisierten Gesichtern der Performer, rote Hände. Eindeutige Zeichen. An der Wand Zeichnungen von Chimären, der menschliche Körper bloß, nackt, hässlich, verletzbar. Der Kopf eine Bestie. Dazwischen schwarze Farbe wie Rauch oder Ruß. Kleine, dürre, hilflose Papiermännchen wirken wie eingefroren in einem Wirbelsturm. Eine Performerin kreischt minutenlang unartikuliert in unerträglich hohen Tönen. Desto lauter das darauf folgende Schweigen. Und immer wieder Stillstand, dem eigentlich keine tatsächliche Aktion voran gegangen ist. Es ist alles Ohnmacht, Hilflosigkeit. Suche nach Ausdruck in der Schrift. Hektisch auf Papier geworfen, auf den Boden geschrieben, auf die Hände und Arme. Ein Bericht aus den Tiefen der menschlichen Seele.
Wesentlich lebhafter geht es bei den Les SlovaKs und ihrer Arbeit »Fragments«zu. Mit ihrem unbedingten Drang nach körperlichem Ausdruck nehmen die fünf Tänzer das Publikum innerhalb weniger Minuten für sich ein. Sie tanzen, als gäbe es kein Morgen mehr. Gleichzeitig aber auch ohne ein Gestern: Wenn man diesen albernen Jungs bei ihrem Spaß zuschaut hat man den Eindruck, als spielten keinerlei Einflüsse aus der Tanzgeschichte eine Rolle, so auffällig unbekümmert wirbeln sie über den Tanzboden. Lebensfreude in Reinform.
»Pausing« von und mit Ioannis Mandafounis und May Zarhy steht dazu wiederum in starkem Kontrast. Das Pausieren des Titels findet sich hier nicht nur zwischen den Bewegungen. Die Musik pausiert gänzlich. Es gibt keine. Nach einem Solo von Mandafounis versuchen die beiden Tänzer, sich mittels Blickkontakt mentale Konzepte zu übertragen und die jeweiligen Empfindungen in Bewegungsmuster umzusetzen. Am Ende folgt jeweils die Auflösung, was der andere dachte. Dadurch wird der Fokus von der körperlichen Bewegung weg hin zur Sprache verschoben. Die beiden Tänzer gehen aber noch weiter, wenn die Bewegungen immer reduzierter ausfallen und die Sprache überhand nimmt. Dann nur noch ein paar Geräusche. Black. Endgültig Pause, sozusagen. S.R.

Die Arbeit der Impure Company kann noch bis 4.11. verfolgt werden. Les SlovaKs Dance Collective und Ioannis Mandafounis & May Zarhy sind am 3.11.2012 noch einmal zu sehen. Bis zum 10.11.2012 sind Arbeiten unterschiedlicher Künstler zu erleben. Genaues Programm unter www.hellerau.org



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