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Ergebnisse aus dem Labor: Das 2. modul-dance-Festival
in Hellerau neigt sich dem Ende zu. Heute Abend gibt es die letzten beiden Arbeiten zu sehen. Eine davon ist »Bat« der Schweizerin Marie-Caroline Hominal. Von ihr war bereits das work in progress »FrouFrou« zu sehen. Darin versucht sie, sich am Reich des Haitianischen Voodoo abzuarbeiten. Viel war dabei noch nicht zu sehen. Bleibt zu hoffen, dass »Bat« ausgereifter daher kommt.

Überhaupt zeigt das Festival als Keimzelle kreativen Schaffens viele unfertige Arbeiten. Das ist grundsätzlich interessant und in Dresden eher selten so zu erleben. Es mag nicht jedem gefallen, halbe Sachen zu sehen, aber die Beobachtung des Prozesses einer künstlerischen Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Aspekten menschlicher Existenz in der Ausdrucksform der Bewegung ist in jedem Fall eine Bereicherung.

Was gab es sonst noch? Marcos Morau / La Veronal überzeugte mit einem verstörenden »Siena« erneut: Bereits anlässlich der ersten Ausgabe des modul-dance-Festivals fand seine Arbeit »Russia« großen Anklang. Auch der Mosambikaner Panaibra Gabriel Canda begeisterte das Publikum mit seiner kulturell exotischen Ausdrucksweise. Gestern Abend war noch einmal Antje Pfundtners beeindruckend intelligent-ironisches Solo »Tim Acy« zu sehen. Sie war bereits zur Tanzplattform mit diesem Stück in Hellerau zu Gast. Diese Arbeit wirkt auffallend ausgereift und in sich ruhend. Neben den ganzen works in progress fällt sie damit fast aus dem Rahmen. Antje Pfundtners zweiter Vorname lautet Selbstironie. Dass diese erfrischend ist, muss nicht weiter betont werden. Sie hat ihr Publikum von Anfang an in der Hand und verliert es auch nicht, wenn sie minutenlang bewegungslos auf einen riesigen braunen Fell liegend verharrt. Sie erlaubt sich spleenige Eigenheiten, die nur sie selbst beglücken, erlaubt dem Publikum aber, ihr dabei zu folgen. Solche Arbeiten sind selten.
Das Festival ist definitiv für Dresden etwas Besonderes. Deshalb muss man ihm insgesamt mehr Zulauf wünschen. Es ist verständlich, dass unbekannte Namen im Tanz nicht die großen Massen anlocken. Aber gerade im Tanz sind Offenheit und Neugier besonders wichtig. Vielleicht muss dieses Publikum in Dresden erst noch herangezüchtet werden. Die Tanzszene ist dabei definitiv auf einem guten Weg. Rico Stehfest

Nächste Vorstellung: 21.9.2013, Festspielhaus Hellerau, 20 & 21.30 Uhr.



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