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Einer trage des Anderen Last – Die taiwanesische Kompagnie Horse gastiert in Hellerau
Simpler kann ein Titel kaum sein: »2 Men«. Warum dann aber spielt einer allein Badminton? Weil er einen unsichtbaren Gegner hat. Wer das genau sein kann, zeigt sich im Lauf des Abends. Nicht zuletzt ist dieser Gegner auch das eigene alter ego. Die taiwanesische Kompagnie Horse besteht komplett aus Männern. Entsprechend fallen auch die inhaltlichen Auseinandersetzungen aus. Wenn im Tanz so häufig Identitätssuche anzutreffen ist, dann ist das hier Identitätssuche par excellence, die Identitätssuche des Mannes.


Die beiden Tänzer Wu-kang Chen und Wei-chia Su haben viel zu erzählen. Textpassagen überwiegen über weite Strecken und lassen den Tanz fast ganz außen vor. Man erfährt von simplen Widrigkeiten im alltäglichen Miteinander, von der Entdeckung des eigenen Landes, von der schwierigen Beziehung zur Mutter und von Erotik in der Straßenbahn. Leise klingt auch Homosexualität an. Vor diesem Kaleidoskop versuchen die beiden Tänzer ihre individuelle Selbstverortung als Mann. Das ist aggressiv, hilflos, teilweise gar orientierungslos.

Ein Ausweg findet sich langsam im Miteinander. Das aber gestaltet sich eben nicht konfliktfrei. Nicht miteinander können, nicht miteinander wollen. Und doch einander brauchen. In diesem Miteinander wird ganz langsam eine enorme Verletzbarkeit sichtbar. Die eigene Stärke ist brüchig. Genau an diesem Punkt wird klar: Badminton kann man nicht allein spielen. Was man dafür benötigt, ist kein Gegner, sondern ein Mitspieler. Vielleicht ist das eine Binsenweisheit. Für die beiden Tänzer bedeutet das jedoch die Entwicklung von zunehmender Intimität, die von auffälliger Zärtlichkeit geprägt ist. Bis es dazu kommt, dauert es eine ganze Weile. Dafür bedarf es Arbeit, die nicht frei von Rückschlägen ist. Am Ende aber spielen beide miteinander Badminton. Und darin sind sie richtig gut.


Rico Stehfest / Fotos: ChangChihCHEN, Peter R. Fiebig

Nächste Vorstellung: 22.11.2014 Festspielhaus Hellerau, 20 Uhr



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