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Ein durchwachsenes Campus-Weekend mit Mia., Madsen, dem SOundSO-Festival & Co
Deutschlands größte Studenten-Open-Air-Party ist volljährig geworden und dem Anlass entsprechend nahmen sich die Veranstalter die Freiheit, an einigen Ecken und Enden zu schrauben. Diesmal wurde gleich zwei Tage auf den Campus geladen. Die Campusparty von Mittwoch auf einen Samstag zu legen, hatte – bis auf eine saftige (!) Ticketpreiserhöhung – augenscheinlich keinen Einfluss auf die Feierlaune der Besucher. Das legendäre Frei-Bockbier der letzten Jahre wurde zum Leidwesen der trockenen Studi-Kehlen wegrationalisiert und wich einer, zugegeben leckeren, Erdbeertorte. Was nun besser zum Frühsommerfestival passt, darf jeder für sich selbst entscheiden.
Die Wiese hinterm Trefftz-Bau war bereits gegen 19 Uhr zumindest sitzenderweise schon reichlich gefüllt und ermöglichte »Ich kann Fliegen« einen angenehmen Festival-Start auf der größten der drei Bühnen. Die Hannoveraner wussten mit sympathischem Deutsch-Rock nicht nur vollauf zu begeistern, sondern auch die bemerkenswert konsequent übersteuerte Akustik (die bis zu MIA. auch nicht besser wurde) mit Nebelatmosphäre und melodischen »DaDaDaDa-« und »OhOh«-Textpassagen zu kompensieren. Während sich die Mädels von Laing auf ihre knapp bemessene Stunde Elektro-Pop vorbereiteten, war ein Abstecher zur »Digital Stage« hinterm Hörsaalzentrum vonnöten, denn was das Electroclash-Duo Captain Capa dort zu bieten hatte, darf getrost als grandioses Geschwurbel bezeichnet werden. Eine wohlige Mischung aus verzerrten Stimmen, E-Gitarren-Riffs und Synthi-Melodien ließ auch den letzten vorbeitrabenden Fassbierschlürfer irgendwann zu den Thüringer Elektrobeats zappeln. Um zum anstehenden Indie-Fest der Gebrüder Madsen zu kommen, wurde es schon eng auf dem Campus, der wie eh und je durch Massen von Imbissständen und Promo-Aktionen vollgestellt war. Mit altbekannten Songs wie auch witzigen Cover-Einsätzen von Deep Purple bis Laing lieferten die Indie-Ikonen solide Festivalkost inklusive »Circle Pit«-Aufruf ab. Mit dem Auftritt vor drei Jahren, bei dem die Wiese förmlich in den Boden gestampft wurde, war das aktuelle Set aber nicht vergleichbar. Dann kam Mia. an die Reihe, doch mehr als einen netten Ausklang gab es von der Popgruppe um Fräuleinwunder Mieze Katze leider nicht zu hören. Das Live-Können der Band steht sicherlich außer Frage, doch mit einer so kurzen Spielzeit (70 Minuten) konnten lediglich die bekannten Songs die bunte Masse zum Feiern animieren. Der eine oder andere machte sich also schnell auf den Weg zu den politisch inkorrekten Jungs von Egotronic. Die Berliner traten ein hochfrequentes Punkgewitter los, dass man sich wunderte, wieviel Power von der kleinen Bühne so ausgehen kann.
Wer nach den Gigs nicht mehr genug Energie hatte, zu Club-Sounds auf den vier verstreuten Floors weiterzutanzen, für den war die aufregendste Neuerung angedacht: Gleich am nächsten Tag wurde die »Digital Stage« zur Premiere des elektrolastigen SOundSO-Festivals umfunktioniert, dass mit feinstem Handwerk namhafter DJs aufzuwarten wusste, doch trotzdem nur magere 200 Besucher anlockte. Hier hatte man sich sicher mehr erhofft. Ob dies dem Umstand, nie zu wissen, wer wann auflegt, der fehlenden Abwechslung (Sommersportarten? Irgendjemand?) oder den grenzwertigen WC-Bedingungen geschuldet ist oder einfach die ganze Geschichte noch wachsen und reifen muss, wird sich hoffentlich nächstes Jahr zeigen. Martin Krönert




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