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Ein Wochenende im Wald: The Sound of Bronkow Music Festival vom 4. bis 6.9.2015.
Plötzlich stehst du im Wald, und das mitten in Dresden. Wer auf das Sound of Bronkow geht, freut sich nicht nur auf akustische, sondern auch auf visuelle Genüsse. In diesem Jahr bliesen die Veranstalter schon per Trailer und Poster ins Jagdhorn. Bronkow ist eben doch eher ländlich als urban. Und so bilden Birken und ein Vogelhäuschen auf den Bühnen sowie Goldrahmen mit röhrendem Rotwild an den Wänden die kontemplative Kulisse für das 5-Sterne-Sympathie-Festival (Chapeau für Deko-Chefin Anett Bauer). Der Apfelgarten hinter dem Societaetstheater ist ja ohnehin Idylle pur. Hier und im Theaterfoyer gibt es traditionell die Gratis-Gigs für Groß und vor allem Klein, denn besonders nachmittags ist Bronkow ein familienfreundlicher Ort mit Spielecke, Eis, Bratwurst sowie Kaffee und Kuchen. Bei den überwiegend folkig-akustischen Klängen von Künstlern wie lilly among clouds, der Moonband und The New Spring lässt es sich wunderbar auf der Wiese träumen. Leider macht der Sonntag in diesem Jahr seinem Namen keine Ehre, so dass sämtliche Umsonst-Konzerte am letzten Festivaltag im Theater stattfinden.

Was aus dem 2015er Bronkow-Jahrgang besonders heraussticht, ist die ungewöhnliche stilistische Vielfalt der insgesamt 22 Bands. Der brillant gemachte Joni-Mitchell-Folk von The Weather Station überrascht den Besucher genauso wenig wie die Soundminiaturen des Duos Binoculers oder die Piano-Kleinode des Mannes mit der satanischen Maske, Lambert. Und auch dass The Gentle Lurch, die Combo von Mit-Organisator Lars Hiller, für einen brechend vollen Kleinen Saal sorgt, verwundert nicht. Jedoch als Eröffnungsband die noch jungen »Vögel die Erde essen« mit ihrem intelligenten Punk-Rock zu platzieren, erfordert Mut. Eine weitere Premiere: Mit Lemur taucht erstmals ein reiner Hip-Hopper im Line-up auf. Den Menschen mit den gelben Bändchen am Handgelenk gefallen die Beats und die Reime mit Hirn, Herz und Humor ausgesprochen gut. Die Band des Festivals kommt aus Brüssel, heißt BRNS (Gesprochen: Brains) und überrollt das Publikum mit ihrem Beat- und Gitarren-Geballer einer Party-Planierraupe gleich aus dem Stand. Meine Herren, dieses belgische, leicht nerdig aussehende Quartett mit seinem wilden und extrem ausdauernden Sänger-Schlagzeuger lässt sich mit Animal Collective und Fugazi vergleichen. Aber eigentlich muss man die Jungs erlebt haben. Wie überhaupt dieses Festival. Wir sehen uns wieder, am ersten Septemberwochenende 2016. Stefan Bast/ Fotos: Cordelia Grebler




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