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Echte Comedy-Abwechslung bei Dresdens »1. Komischen Nacht«
Ein klassisches Stand-Up-Format in Dresden kennen Einheimische nur von den raren »Night Wash«-Gastspielen oder der Newcomer-Show zur »Humorzone«. Das wollte man nun ändern und holte das in den westlichen Bundesländer mittlerweile etablierte Konzept der »Komischen Nacht« hierher. Fünf Komiker stellten sich am 8. November also erstmalig dem Dresdner Publikum in diesem »Comedy-Marathon«. Abwechselnd wurden von ihnen in dreieinhalb Stunden fünf Locations (Central Café, Försters, Wenzel Prager Bierstuben, Lila Soße, Altes Wettbüro) bespielt. Eine Künstlerherausforderung, weil jeder Comedian immer wieder mit einem anderen Publikum konfrontiert wird. Aber auch für so manchen Gast eine kleine Tour de Force, wenn zu gutem Essen ein nicht ganz so spritziger Auftritt serviert wird. Oder, wie ein Künstler meinte, wenn ihn die Anwesenden im vorherigen Lokal an »The Walking Dead« erinnern und sich genau so benehmen.

Die Stimmung im »Försters« jedenfalls war mehr so eine gute Folge »Full House«, auch wenn die arg verwinkelte Räumlichkeit nicht für alle Gäste optimal war. Von den fünf Comedians hatten hier zumindest vier ein wohlwollendes Publikum vor sich.

Den Einstand machte Benni Stark, der nach einem schwungvollen Beginn über sein Leben als Herrenausstatter gekonnt ignorierte, dass die große Palette falsch ausgesprochener Modemarken vor Ort nicht zünden wollte. Dagegen trafen seine Anekdoten über Chinesen beim Anzugkauf und Erfahrungen mit Dänen im Urlaub um so mehr das kollektive Zwerchfell im Försters.

Nach einer recht erzwungenen Performance der Berlinerin Cloozy als ihr derb dahinplapperndes Alter Ego Helga Raspel, das ihren Bürokollegen »verbalen Analverkehr« vorwirft und von ihrem Job regelmäßig Excelschweiß bekommt, betrat mit Thomas Nicolai (Foto) ein Musiker und Stimmenimitator die kleine Bühne. Und der beherrschte das Publikum wie kein Anderer an diesem Abend mit Geschichten aus seiner Promi-WG, in der Grönemeyer in den Kühlschrank schaut und »alles leeeeeer und verbraucht« ist, weil Martin Semmelrogge sich den Joghurt durch die Nase gezogen hat. Sein Max Raabe inklusive Mikrofoneinverleibung wusste ebenso zu überzeugen, wie die Einschlaflieder für das »Brüllfleisch« des frische gebackenen Vaters.

Auch der gebürtige Dresdner Stefan Danziger konnte als Vierter im Bunde mit gutem Timing und cleverem Touriguide-Humor punkten, stellte urkomische Verschwörungstheorien über Haarfülle, Körpergröße und Intelligenz bei den Machtposten Russlands, Frankreichs, und Amerikas auf und pitchte sehr erfolgreich mit sächsischer Zunge die Idee vom ostdeutschen Geheimagenten Ronny Bond – Fimtitel: »Im Auftrag des ersten Sekretärs des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, Erich Honecker«. Das Ende des gut durchmischten Abends bestritt schließlich der freche Zauberkünstler Erasmus Stein. Ein charmanter Newcomer, der sehr gern gab, aber auch gnadenlos nahm. Am liebsten Geschenke an und von unfreiwillig »Freiwilligen« für seine schrägen Magiertricks, was konsequenterweise in einer Zwangsjacke gepaart mit einem verblüffenden Kartentrick endete: »Halleluja!«.

Im Resümee ein wilder Abend durch den Abwechslungsreichtum der deutschen Stand-Up-Szene, den zumindest das Försters-Publikum hervorragend annahm. Eine Wiederholung ist also sicher nicht ausgeschlossen und auch für den Rezensenten auf jeden Fall zu begrüßen.
Martin Krönert




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