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»Du bist nicht deine Yacht!« - Systemkritik in »Die fetten Jahre sind vorbei« an der bühne
In protzige Villen einbrechen, aber nichts stehlen. Nur ein bisschen Unordnung schaffen, die Besitzer verunsichern und eine Nachricht hinterlassen: „Sie haben zu viel Geld. Die Erziehungsberechtigten“. Mit dieser Methode versuchen Jan und Peter die Materialisten ihrer Nachbarschaft zu erreichen, und sie mit ihren ideellen antikapitalistischen Werten wachzurütteln. Blöd nur, dass sie bei einem nächtlichen Einbruchsversuch mit Peters Freundin Jule den Hausbesitzer kidnappen, mit ihm in eine Hütte flüchten müssen, um dort vorerst vor der Polizei unterzutauchen. Erstaunlicherweise stellt sich der Geldmagnat Hardenberg als Alt-Achtundsechziger heraus, der als Student selbst gegen das kapitalistische System revoltierte.

Die ambitionierte Einstellung der drei Freunde, die verändern und zum Schlag gegen das System aufrufen wollen, sinkt im Verlaufe der Geschichte, die Begeisterung und Überzeugung für ihre gemeinsamen Pläne scheinen zu schrumpfen. Letztlich wird nur noch geraucht, planlos herum gesessen und lethargisch über eine bessere Welt sinniert. Doch dann holt Peter seinen Revolver.

Anfangs befindet sich das Publikum in einer unruhigen Situation. Hier knallt eine Tür, dort schreit jemand seinen Frust über die Diktatur des Kapitalismus heraus, der nächste ersinnt einen Plan über den nächsten Einbruch. Der Zuschauer schlängelt sich vom Foyer über eine Podiumsdiskussion bis zur eigentlichen Bühne, auf der die vier Darsteller mal als sie selbst und mal in ihrer Rolle auftreten. Sehr abwechslungsreich ist die Mischung aus Sprache, Gesang und Pantomime, die durch musikalische Untermalung, die sich die Darsteller vom Tontechniker wünschen, abgerundet wird. Sehr amüsant ist die kleine Philosophiestunde, bei der der Zuschauer in die Steinzeit zurückversetzt wird und den Unterschied zwischen Idealismus und Materialismus erklärt bekommt. Zudem sind die vier Darsteller für ihre Rollen ideal besetzt: Die hysterische, verzweifelte Jule (Kristina Pflugbeil), Peter (Florian Gleißner), der anfangs noch als Mitläufer bezeichnet werden kann und sich letztlich als derjenige offenbart, der die Hoffnung an die Veränderung durch die Ideale der Gruppe nie aufgegeben hat. Robert Richter verkörpert Jan, der für sein Leitbild einsteht und den abgeklärten Hardenberg (Andreas Matthus) ins Verhör nimmt, sodass dieser seinen Werdegang hinterfragt. Es gibt nur wenige Szenen, die tatsächlich aus der filmischen Vorlage von Hans Weingartner übernommen wurden, was das Theaterstück umso interessanter gestaltet.





Carolin Herrig / Fotos: Philip Heinz

Weitere Vorstellungen: 19./24./26.10.2014, jeweils 20.15 Uhr



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