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Die Welt in einer Kugel – Derevo und Akhe backen in Hellerau eigene Brötchen
Der große Saal des Festspielhauses Hellerau war gestern Abend gerade mal zur Hälfte gefüllt, obwohl Derevo und Akhe zu einer Uraufführung gerufen hatten. Was war der Grund? Zieht Derevo nach zwanzig Jahren in Dresden und zehn Jahren in Hellerau nicht mehr so die Massen an? Ist das Stammpublikum so geschrumpft? Anwesend waren vor allem Köpfe aus Kulturpolitik und -betrieb.

In »Kasperol Paradox« geben Anton Adassinsky und Pavel Semchenko vom Akhe-Theater ein verstörendes Paar. Das Zusammenspiel der beiden Akteure überzeugt dabei bereits seit Jahren. Den Einfluss von seitens Semchenkos könnte man fast als wüst oder chaotisch nennen. Bezeichnend ist die schnelle Abfolge des Einsatzes unterschiedlichster Requisiten, die ohne jegliche Sorgfalt und in großer Spontaneität gebraucht werden, um kurz darauf achtlos in der Ecke zu landen.

Hier spielt sich das Ganze in einer Art alchemistischem Labor ab. Pavel Semchenko ist der Herr der Teufelsküche, der sich aus dem eigenen Leib einen Klumpen Teig schneidet, dem die Form eines menschlichen Wesens verliehen wird. Anton Adassinsky gibt das Faktotum, wie der Wiedergänger des noch werdenden kleinen Menschen. Beide sind sie Irre, Gläubige und Irrgläubige, die sich durch die Elemente bewegen. Und immer wieder rot. Rot ist bei Derevo das Blut, das von Herzen kommt. Diese beiden Suchenden können weder miteinander noch ohne einander. Es ist aber keine bloße Hassliebe. Sie stützen einander genau so, wie sie sich schlagen. Missgunst steht direkt neben Trost. Die Vielzahl der Pflastersteine, Plastikbecher und Werkzeuge bildet die Grundlage für ein kakophones Geräuschtheater, das auf den ersten Blick unkoordiniert wirkt, aber keineswegs ist. Hier handelt es sich um einen Schöpfungsmythos der völlig eigenen Art. Es ist ein Traum, der gänzlich mühelos direkt an der Grenze zum Alp tanzt. Irgendwie unschön, aber desto fesselnder.
Am Ende ist der Mensch fertig gebacken. Dieses Brot wird gebrochen und im Publikum verteilt. Derevo hat nämlich immer ein besonderes Weihnachtsgeschenk. Und wem das nicht reicht: Vom 26. bis 28. Dezember gibt es noch mal den Klassiker »Once« zu sehen. Rico Stehfest

Nächste Vorstellung von »Kasperol Paradox«: 20.12.2013, Festspielhaus Hellerau.



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