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Das Panische NOt-Theater präsentiert »Stachel der Arbeit«
Im dunklen, nebligen Hinterhof des Projekttheaters erklimmt Utz Pannike die Bockleiter und beginnt unter dramatischem Gestus seine Predigt, in der er zuerst einmal die Wirklichkeit unserer Welt in Frage stellt. Vielleicht leben wir ja in einer Scheinwelt, wie schon die angeketteten Gefangenen in Platons Höhlengleichnis. »Wir können sagen, dass wir wissen, dass wir nichts wissen«, meint der Prediger und deshalb bleibt uns ja nur der Glaube an Wahrheit und Authentizität. Begleitet wird der Appell des Verkünders von Claudia Rehs Live-Painting, das mit Hilfe eines Polylux über die gesamte Hausfassade projiziert wird. In dieser nahezu apokalyptischen Atmosphäre, beginnt unser neuer Glaubensführer seine Gemeinde, das Publikum, zu segnen und lädt uns anschließend in das »innere System« seiner Kirche ein. Im Theatersaal eröffnet der Prediger nun die Messe mit dem Requiem für die körperliche Arbeit. Denn wo wären wir, wo wäre die Welt ohne Arbeit? So singt der Verkünder emphatisch zu elektronischen Klängen (Jörg Schittkowski) »Arbeit, du hast uns den Kosmos erschlossen«.

Nachdem nun die stets gehuldigte körperliche Arbeit zu Grabe getragen wurde, stellt sich die Frage, welche Bedeutung Arbeit für uns im digitalen Zeitalter hat. Wie wirkt sich unser heutiges Arbeitsverhalten auf unser alltägliches Leben, auf unsere Beziehungen und auf die Gesellschaft überhaupt aus? In dieser »weltweiten Community der Arbeit« träumt man sich nach wie vor den Reichtum herbei, da floriert der Kapitalismus, da zerbricht der Kleinbürger an Depressionen, da manifestiert sich die Konkurrenzgesellschaft in einer Orgie des Leistungsdrucks – dem Assessmentcenter. Und unser geschätzter Prediger wird zum Showmaster, zum Motivationstrainer und erklärt, dass unser Wissen wertvolles, sexy Humankapital ist. Während Utz Pannikes satirischer Dauerperformance interagiert er ausschließlich mit den sich ständig verändernden Livepaintings, den elektronischen Klängen und dem Publikum. Dabei verschmelzen Schauspielerei, Musik und die projizierten Bildwelten kunstvoll in eine Performance, die einfach fasziniert. Nicole Scheffel

Nächste Vorstellungen: 21./22.3. projekttheater, 28. bis 30.3.2014 im Sektor Evolution, sowie 8. bis 9.5. projekttheater.



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