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Das Leben der Anderen: Inquiline – Der Parasit feiert Premiere im Projekttheater
Was würde passieren, wenn Du dich weigern würdest, ein Leben als wirkliche Person, als eigenständiges Lebewesen zu führen? Du könntest Dich bekannten moralischen Prinzipien und sozialen Gesetzen auf eine Gewisse Art entziehen. Du könntest zum Inquiline – zum Parasiten werden. Als Individualparasit schlüpftest Du in die Körper anderer. Eingenistet in die fleischliche Hülle des Wirtes, lebtest Du deren Leben, suchst Schutz und Unterschlupf. Eine Idee, an der man weiterspinnen sollte? Gestern Abend im Projekttheater wurde aus dem merkwürdigen Gedankenspiel eigensinnige Realität. Als körperlich gewaltige Ein-Mann-Performance brachte Bewegungskünstler Thomas Monckton das Stück »Inquiline – Der Parasit« von Regisseurin und Schriftstellerin Sasha Milavic-Davies auf die Bühne. Es wurde zum pantomimischen Lehrstück, zu was der menschliche Körper und Geist fähig ist. Der Künstler schonte sich nicht, den Zwist zwischen Wirt und Parasit plastisch zu machen. Bis zur körperlichen Gewaltätigkeit ging er sich selbst an den Kragen, packte sich am Schlafittchen, schlug sich den Schädel ein, war wieder ganz zärtlich. Allein aus der eigenen bzw. fremden Haut kam der Inquiline nicht. So tragisch und alarmierend das alles klingen mag, gehörte doch auch eine gehörige Portion Witz, in dem sich die Tragik mancher Situation entlud, zum Stück. Fast möchte man dem Publikum raten, vor der Vorstellung keine Kritiken zu lesen, sondern sich völlig frei auf Thomas Moncktons perfektes Spiel und die begleitende Off-Stimme einzulassen. Dafür ist es an dieser Stelle nun zu spät. Wer aber ein kurzweiliges Stück mit körperakrobatischer Raffinesse erleben möchte, um am Ende mit einem großen Fragezeichen über dem Kopf den Saal zu verlassen, der sollte sich den Parasiten ansehen. AS

Weitere Aufführungen: 4./5.1.2013



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