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Das Ende ist da – Hofesh Shechter hypnotisiert mit »Grand Finale« in Hellerau

2. Juni 2018. Es ist der Anfang vom Ende, der letzte Monat unter der Intendanz von Dieter Jaenicke im Festspielhaus Hellerau hat begonnen. Und natürlich, wie könnte es anders sein, mit einem Knaller. Dem werden im Lauf des Monats noch einige folgen.


Hofesh Shechter hat mit seinem Auftakt auch so etwas wie einen Abgesang geliefert, der Titel »Grand Finale« legt es nahe. Er lässt seine Tänzer durch einen Raum stampfen, der ganz unverkennbar sein eigener ist: Der Raum hängt voller Bühnennebel, sodass das Licht überall gleichzeitig zu sein scheint. Diese düstere Atmosphäre bietet sehr schnell Mord und Totschlag in ästhetisch glänzenden Bildern. Bei Hofesh Shechter herrscht immer Krieg. Bewegliche Elemente, ähnlich hohen Mauerstücken, gliedern die Bühne immer wieder neu. Zwischendurch taucht an unterschiedlichen Stellen eine Live-Band auf, die den Tanz mit den Toten sensibel begleitet. Ein Totentanz ist immer makaber, so also auch dieser. Wenn die Tänzer ausdruckslos mit offenem Mund agieren, ist das kein stummer Schrei mehr. In dieser Leere könnte man eher die hohlen Augen sehen, wie sie Käthe Kollwitz ihren vom Krieg gezeichneten, ausgemergelten Figuren gegeben hatte.


Shechter ist sich auch in dieser Arbeit treu geblieben. Die folkloristischen Elemente, die vermeintlich immer wieder unverbindlichen Details in den Bewegungen. Es gibt keine Szene, in der man diese Handschrift mit der eines anderen Choreografen verwechseln könnte. Das wäre selbstreferenziell, würde sich diese Unverbindlichkeit nicht ausdünnen bis hin zu sinnentleertem Zucken zu lautem Techno. Von der Jenseitigkeit der Apokalypse kippt die Situation immer wieder zurück zum Sterben, zum Tod. Inhalt verliert sich und wird ein ums andere Mal wieder aufgenommen.


Und wenn die Kapelle eine schöne Walzermelodie zum Erklingen bringt und es von der Decke Seifenblasen schneit, dann ist er da wieder, der wütende Zyniker Shechter. Diese Arbeit zeigt nicht viel. Irgendwann scheint nichts Neues mehr hinzu zu kommen. Auch nach einer deutlichen Zäsur, die die Tänzer pausieren lässt und die Musiker ihrer Rolle als Unterhalter mit deutlicher Ironie frönen dürfen, wird die Aussage nicht erweitert. Wir feiern das Ende, sonst nichts. Das aber ist alles andere als langatmig. Das Stück dauert gute eineinhalb Stunden. Trotz der beschränkten Aussage gibt es aber keinen einzigen Moment der Langeweile. Dramaturgisch betrachtet macht ihm das so schnell keiner nach.

Rico Stehfest / Fotos: Rahi Rezvani

Nächste Vorstellung: 2. Juni, Festspielhaus Hellerau, 20 Uhr.



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