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Christin Henkel – eine große Klavier-Kabarett-Chanson-Hoffnung bei der „Humorzone“ Dresden
Endlich wieder was zu lachen haben in Dresden, dachten sich wohl die Veranstalter der ersten Humorzone und überschwemmen uns noch bis zum 22. März unter Schirmherrschaft von Olaf Schubert mit eine bunten Auswahl der deutschen Standup-, Peotry-Slam- und natürlich auch Musik-Comedy-Szene. Dabei lassen sich bei diesem Gute-Laune-Festival in den Kinos, Theatern und Dresdner Veranstaltungsinstitutionen Urgesteine und alte Hasen wie Michael Mittermeier, Willi Astor oder Rainald Grebe genauso blicken, wie der erfrischende Nachwuchs, den man als Dresdner sonst nur in spätabendlichen Stand-Up-TV-Formaten zu sehen bekommt. Gerade diesen zarten, jungen Blumen in der deutschen Comedy-Landschaft sollte man ja erst recht eine Chance geben.

Ein ganz besonders hübsches und talentiertes, aber auch dorniges Gewächs ist Christin Henkel, die Freitagabend am 20. März im gemütlichen, nicht ganz gefüllten Thalia-Kinosaal ihr Publikum frech mit den Worten „Ich bin ja so froh, dass ich endlich nicht mehr in kleinen, halbleeren Kino-Sälen spielen muss“ begrüßte. Die klassisch ausgebildete Filmkomponistin und komödiantische Liedermacherin aus Thüringen hat ihren Weg gerade erst gefunden, zumindest möchte man hoffen, dass ihre zu Beginn im „Faultierlied“ gebeichteten Tendenzen sie nicht so schnell wieder davon abbringen.
„KlaKaSon“ nennt sie ihren Stil wie auch ihr erstes Album in Eigenproduktion. Warum letzteres notwendig war, verriet sie in einer der eingestreuten Tagebuch-Lesungen über ihr Erlebnis mit einer großen Plattenfirma. Was ihre Wortschöpfung bedeutet, wurde jedem Zuhörer schon in der ersten Minute klar. Denn wenn die rotblonde Wahl-Münchnerin aus dem Thüringer Wald in die Tasten ihres E-Pianos haut und anderthalb Stunden lang mit zynischem aber sehr sympathischem Lächeln über naive Gala-Leserinnen singt, die an Intelligenzschub leiden, oder mit Frauenhelden abrechnet, die dreist am Lagerfeuer mit der Gitarre Liebeslieder zupfen, sind der Kla(vier)-Ka(barett)-(Chan)son(istin) spätestens in den stets pointierten Refrains die Lacher des Publikums sicher. Henkel erzählt mal im heiteren Bossanova-Rhythmus, mal von romantisch-verspielten Harmonien à la Brahms, Ravel oder Debussy getragen und stets mit einem gewissen instrumentalen Humor ihre Geschichten aus dem Leben, wie wir es noch nicht kennen. Etwa die über den Surflehrer mit Burnout und Sehnsucht nach einem Bürojob oder von einer Frau, für die durch Lebensmittelintoleranzen aller Art nur noch „Jägi“ und exzessiver Cocktailkonsum gesund sind. Natürlich auch über die Liebe, die „kommt und geht“ wie sie in einem gelungenen Cover von Kollegin Anna Depenbuschs „Tim und Tina“ sang, oder, wie sie es selber ausdrückt, einfach da ist und dann: „Ach nee, doch nich'!“.
Überraschenderweise waren es nicht die spaßigen, aber aus Comedy-Sicht manchmal spätestens nach dem bissigen Refrain auserzählten Kabarettsongs (die wenigen Mitsing-Passagen ignorierte das Publikum sogar undankbarer Weise fast vollständig), sondern vor allem die gefühlvolleren Balladen „Liebeslied mit Tiger, Mond & Regen“, und „So gern“ sowie das außergewöhnlich dichte Instrumentalstück „Maimorgen“, die Christin Henkels kompositorisches Talent besonders deutlich machten und die Zuhörer immer wieder zu tosendem Applaus veranlassten. Insgesamt machte Christin Henkel bei ihrem ersten Konzert in Dresden nicht nur in der „Humorzone“ eine ziemlich gute Figur. Sie traf auch musikalisch ganz besondere Töne in ihren Liedern und ist hoffentlich in Zukunft öfter anzutreffen im deutschen Musikkabarett. Martin Krönert

Die Hurmorzone ist noch bis 22. März in vielen Locations in Dresden zu erleben. Genaue Infos gibt’s unter www.humorzone.de



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