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Bulgakow. Briefe an Stalin im Labortheater der HfbK
1929 war Michail Bulgakow aus der Öffentlichkeit verschwunden. Nichts wurde gedruckt, keines seiner Stücke aufgeführt. Der Dichter selbst hatte alle Hoffnung verloren, jemals wieder Arbeiten zu können und wendete sich 1930 mit einem Brief an Stalin und die Regierung der UdSSR. Er fühle sich wie ein lebendig Begrabener und bittet, bettelt, um eine Reaktion, man solle ihn zumindest des Landes verweisen, wenn schon nicht mal mehr eine Aufgabe als Theaterstatist denkbar wäre. Die als Reaktion auf den Brief erwartete Vernichtung Bulgakows, mit der er das Schicksal vieler Künstlerkollegen, die unter dem Terror der Stalinschen Herrschaft zu leiden hatten, geteilt hätte, folgte nicht. Im Gegenteil: Der Schriftsteller empfing unerhörtes Wohlwollen von Seiten Stalins, der ihm eine Anstellung am Künstlertheater verschaffte. Es folgen harte Jahre, die gezeichnet waren von Armut und Krankheit. In seinen letzten Tagen diktierte Bulgakow seiner Frau Jelena die letzten Seiten seines Romans »Der Meister und Margarita«.
Dieser Brief, den Bulgakow im März 1930 an Stalin geschrieben hatte, ist das Hauptthema des Stückes von Schauspieler und Regisseur Andreas Rajchert, das gestern Abend im Labortheater der HfBK Premiere feierte. Alle Mitspielenden vereine eins, die Liebe zu Bulgakows berühmtem Roman »Meister und Margarita«, so stand es in der Premiereneinladung. Immerhin verhieß das Stück Einiges an Brisanz und Versuche, das Verhältnis von Politik und Kunst zu erhellen, ziehen das Publikum immer wieder an. So erfreute sich das öffentlich selten bespielte Labortheater der Kunsthochschule am gestrigen Abend eines erfreulich hohen Zulaufs erwartungsvoller Premierengäste, die leider Zeuge wurden, das die Liebe zu einem Künstler die Menschen zwar vereinen mag, aber doch zu wenig Boden liefert, um ein gutes Stück zu spielen.
Mit plumper Genauigkeit, die das Theater als darstellende Kunst nicht nötig hat, galoppierten die Darsteller durch Bruchstücke in Bulgakows Leben. Ingrid Schütze, mal in der Rolle des kranken Bulgakow, mal im nachgestellten Dialog mit Stalin den Diktator selbst gebend, hatte die undankbare Aufgabe, viel zu lange Passagen zu lesen, als selbst zu agieren. Was die Aufmerksamkeit des Publikums deutlich überstrapazierte und zusätzlich für Längen sorgte. Auch die vielen vorab gefilmten Szenen, die dann per Videoleinwand übertragen wurden, hätten ebenso gut live, aber gekürzt, auf der Bühne stattfinden können. Viele Elemente wirkten unbeholfen und naiv. Die Videoeinspielungen von heran rauschenden Oldtimern, als Bulgakow erklärt, das ihn die Schergen Stalins dingfest machen wollen, erinnerten an Slapstick. Nächste Szene: Stalin sei traurig über die Abreise Bulgakows, kurze Einspielung auf der Leinwand: ein trauriger Stalin. »Bulgakow. Der Brief an Stalin« ist ein skizzenhafter Versuch, sich einem hochinteressanten Thema zu nähern, der aber in schauspielerischen Studien hängen bleibt. Auch die Gesichter der Schauspieler verrieten, dass am Ende alle froh waren, es hinter sich zu haben. AS

Nächste Vorstellungen: 20./21.10.2012, jeweils 19 Uhr.



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