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Aus Schaum geboren? Was für Zustände! Die St. Pauli Ruine zeigt »Helena«
Unter dem lange vermissten blauen Abendhimmel stand die Premiere von Peter Hacks Stück »Helena« buchstäblich unter einem guten Stern. 100 Jahre nach Offenbachs Operette »Die schöne Helena« hatte Bühnenautor und Dramatiker Peter Hacks das Stück für Schauspieler umgearbeitet, um mit Witz, Humor und heiterer Musik auf seine Weise die Mechanismen von Machterhalt und Entertainment und das Verhältnis von individuellem Verlangen und gesellschaftlicher Verantwortung zu beleuchten: Helena als tugendhafte First Lady unterliegt der göttlichen Verheißung, als schönste Frau der Welt von einem schönen Fremden (Prinz Paris) erobert zu werden. Als Zugeständnis an die Etikette gibt sie vor, zu widerstehen, schmiedet aber Pläne, sich der Liebeserfüllung und damit dem Ehebruch hinzugeben. Durch diese aufziehende Staatsaffäre, kompromittiert Priester Kalchas unterdessen die unter dem Volk sehr beliebte Göttin Venus. Denn die Göttin der Liebe zeichnet sich verantwortlich für dieses Techtelmechtel, dass sich zur diplomatischen Krise auswächst.
Dieser Plot ist für das Ensemble der Pauli Ruine, das schon oft bewiesen hat, mit einer Mischung aus Talent und Selbstironie den Geschmack des Publikums zu treffen, wie geschaffen. Urgestein Karl Weber in tragenden Rollen, als donnernder Gott Jupiter oder blinder Dichter Homer ist wie immer durch und durch authentisch und rasend komisch. Das ungleiche Liebespaar aus dem bubenhaften Jüngling Paris (Jonas Finger) und der Walküren-Schönheit Helena (Felicitas Mallinckrodt) erinnert an Szenen aus einem Loriot-Best-Of. Dem ganzen Team aus Leien- und Profischauspielern ist anzumerken, dass ihnen dieses Stück auf den Leib geschneidert wurde.
Regisseur Jörg Berger ist mit »Helena« ein bezauberndes Stück Abendunterhaltung gelungen, in dem die Schaupieler über sich hinauswachsen und mit übergreifender Spielfreunde ihr Publikum erreicht, das sich zu Zwischenapplaus und schallendem Gelächter hinreißen lässt. Mit Bühnenbild und Kostümen beweist das kreative Ensemble wieder einmal, wie man es schafft, aus wenig alles zu machen. Nicht zu Unrecht denkt man im Programmheft den unzähligen Spendern von Bettwäsche und anderen Utensilien, die auf charmant überspitzte Weise aus Schauspielern Imperatoren und Götter machen. AS

weitere Termine: 1.6., 20 Uhr; 4./5.6., 19.30 Uhr; 7.6./29.6.2013, 20 Uhr



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