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Auf der Grenze – Die Dance Dialogues Africa sind in Hellerau eröffnet worden
Laut Dieter Jaenicke, Intendant des Festspielhauses, war es purer Zufall, dass die Veranstaltungsreihe mit Arbeiten junger Choreographen aus Afrika am gestrigen Abend ausgerechnet am internationalen Tag gegen den Rassismus eröffnet wurde. Die kooperative Reihe mit Kampnagel Hamburg und dem Tanzhaus NRW stellte Jaenicke als für Dresden besonders wirkungs- und bedeutungsvoll dar, liegt doch der Ausländeranteil hier in der Region nicht nur im Vergleich zu westdeutschen Städten im kaum wahrnehmbaren Bereich. Folglich rief er zu Kontakt und respektvollem wie tolerantem Umgang mit weniger vertrauten Kulturen auf. Schön und gut. Nur ist genau dieser Appell einem Publikum gegenüber wohl unnötig, das ja eben den Weg nach Hellerau gefunden hat, um afrikanische Arbeiten zu erleben.

Den Anfang machte »Point of Intersection« von Panaibra Gabriel Canda aus Mosambik. Die Rohfassung dieser Arbeit begeisterte mit seiner Wucht bereits das Publikum anlässlich des 2. modul dance Festivals im vergangenen September. Die Endfassung fällt erwartungsgemäß länger aus, hat dadurch aber auch einiges an seiner Intensität eingebüßt.
Vor dem Hintergrund eines weitläufigen Meeres mit unruhig bedecktem Himmel lassen sich die vier Tänzer mit steinerner Miene und zu einem verstörenden Sound auf Stühle bzw. den Boden fallen. Die Unbedingtheit des Ausdrucks erscheint dabei auffällig. Ein Tänzer versucht immer wieder einen individuellen Ausbruch in eine freie Form der Körpersprache, wird jedoch von einer Tänzerin mit Nachdruck zurück gehalten und in ein vorgegebenes Bewegungsschema gepresst. Durch diese Unfreiheit bahnt sich Aggression den Weg, der allerdings weniger stark als in der ersten Fassung der Arbeit Raum zugestanden wird. Der Kampf zweier Tänzer um einen Stuhl wirkt eher wie ein Ritus, dessen Ende eben nicht offen ist. Kein wirklicher Kampf. Das starke Gegeneinander ist fast einer kommunikativen Form gewichen. Allerdings nur fast. Die Wiederholung einzelner Bewegungsmuster wirkt eher illustrativ und irgendwann wenig variantenreich.
Die ständige Präsenz des Meeres als Trennung zwischen Kontinenten vermittelt beständig den Charakter des Fremden, des Entfernten. Wenn sich in der rückwärtigen Projektion ein riesiger Mond vor die Sonne schiebt, wandelt sich das Miteinander der Tänzer zum freien Ausdruck des Einzelnen, der sich aus den Traditionen Afrikas zu speisen scheint. Das Trommeln der Füße am Boden wird live im Spiel einer E-Gitarre aufgegriffen und frei interpretiert. Das Irrationale hält Einzug, das Ungeordnete. Eine Art geistiger Freiheit, die Grenzen überschreitet. Auch kulturell: Trommelrhythmen werden gemischt mit Geigenklängen. Ungewohnt kraftvoll. Und anders. Da haben sich die Gesichter der Tänzer allerdings schon längst gelöst und zeigen ein breitestes Grinsen. Rico Stehfest

Nächste Vorstellungen: Aufführungen der Dance Dialogues Africa tgl. bis zum 29.3.2014 im Festspielhaus Hellerau, genaue Termine: www.hellerau.org



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