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Auf Nummer sicher - Die Felsenbühne Rathen mit einer neuen »Zauberflöte«


Was kann man noch Neues an einem Stück entdecken, das wahrscheinlich bereits hundert Mal in Dresden und Umgebung inszeniert wurde? Und muss man das überhaupt? Landesbühnen-Direktor Jan Michael Horstmann jedenfalls verpasst dieser »Oper aller Opern« keinerlei Kürzung, geht musikalisch nur marginal neue Wege und setzt dann auch noch eine multikulturelle Gruppe junger Akrobaten zur Auflockerung (und sicherlich auch als politisches Statement) ein.

In die Geschichte um den Prinzen Tamino, seinen dauerplappernden Sidekick Papageno, die listige Königin der Nacht und den erhabenen Sonnenkönig Sarastro findet der Zuschauer durch diesen Regiekniff zumindest sehr leicht hinein. Aus Regenschirmen und einem großen Stoffschlauch verwandelt Horstmann die agilen Sebnitzer in Taminos Lindwurmbegegnung und eröffnet damit einen vergnüglichen Mozart-Nachmittag, der dank einer erneut felsenbühnentypisch höchst kreativen Ausstattung außerordentlich bunt ausfällt. Das Orchester der Elbland Philharmonie Sachsen wird ganz steril in den Hintergrund verfrachtet, während sich die Bühne durch fünf clever gestaltete Holztürme in die unterschiedlichen Handlungsorte von Schikaneders Märchenadaption verwandeln lassen.

Für ein besonderes Raunen sorgt jedoch der erste Auftritt der berüchtigten Königin, die mit ihrer nachtblau-goldenen, 15 Meter langen Schleppe einen famosen Eindruck hinterlässt. Zwar schien die Musikstudentin Petra Havránková bei der vom Rezensenten besuchten, sogenannten »Studentenaufführung« stellenweise ein wenig überfordert mit Mozarts berühmter Arie der Nacht, in den weiteren Stücken konnte sich ihr gut ausgebildeter Sopran dann jedoch noch voll entfalten.

Obwohl die Vorstellung durch einen kräftigen Schauer jäh unterbrochen wurde, ging auch nach der Abkühlung nichts von Mozarts Opernzauber verloren. Das war nicht zuletzt dem Publikumsliebling Nikolaus Nitzsche zu verdanken, der mit närrischer Körpersprache einen urkomischen Papageno gab. Horstmanns »Zauberflöte« auf der Felsenbühne ist letztlich das erwartete, seit Jahrhunderten unterhaltsame Stück geworden, also eine sichere Nummer für Familien. Und diese Verlässlichkeit schadet wohl nicht, wenn das Rathener Wetter einen mal wieder im Stich lassen will.

Martin Krönert / Foto: Hagen König

Nächste Vorstellungen auf der Felsenbühne Rathen: 22., 23., 27., 28., 30. und 31. Juli



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