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DRESDNER Interviews / O-ton!
»Wir sorgen für unsere Pappenheimer« – Claudia Muntschick und Maik Roßmann von »Wir gestalten Dresden« im Interview
Claudia Muntschick und Maik Roßmann von »Wir gestalten Dresden« im Interview
■ Im Februar diesen Jahres wurde der Branchenverband für Kultur- und Kreativwirtschaft »Wir gestalten Dresden« gegründet. Anlass der Initiatoren war die Veröfentlichung des Berichtes zur Kultur- und Kreativwirtschaft in Dresden. Zwei der drei Vorstandsmitglieder sind Claudia Muntschick und Maik Roßmann. Die DRESDNER-Autorinnen Nicole Schefel und Sarah Wessel sprachen mit ihnen über die Lage der Kreativwirtschaft in Dresden und aktuelle Projekte.

Der Anteil der Beschäftigten im Bereich Kultur- und Kreativwirtschaft wächst stetig. Warum war es notwendig »Wir gestalten Dresden« zu gründen und was betrachtet ihr als euren Aufgabenbereich?

Claudia: Die Kultur- und Kreativbranche ist ein wichtiger, aber sehr junger und noch schwer greifbarer Wirtschaftszweig. Es ist daher notwendig, Strukturen zu schaffen, die einerseits als Ansprechpartner für die Kultur- und Kreativszene und andererseits für Politik und Verwaltung zur Verfügung stehen. An dieser Schnittstelle kommt es häuig zu Missverständnissen. Deshalb ist es wichtig, dass es eine Institution gibt, die als Dolmetscher agiert.
Maik: Wir versuchen die heterogenen Ansprüche der Branche in konkrete Projekte zu übersetzen. Momentan sind wir zum Beispiel mit dem Aufbau von Beratungssalons beschäftigt, in die praxisnahe Experten der Kreativszene eingeladen werden, die über Themen wie Recht für Kreative, Existenzgründung oder Marketingstrategien informieren. Dabei übernimmt unser Verband die Rolle des Koordinators, der die Mitglieder der Szene verbindet.

Was zeichnet euch als Verband aus und unterscheidet euch von der klassischen Wirtschaftsförderung?

Claudia: Unsere Initiative ist direkt aus der kreativen Unternehmerszene heraus entstanden, die zunehmend das Gefühl hatte, in Dresden nur unzureichend wahrgenommen zu werden. Im Gegensatz zu anderen Städten, die versucht haben, den Prozess »von oben« zu steuern, versuchen wir in Dresden einen fruchtbaren Dialog mit Verwaltung und Politik aus der Szene heraus zu gestalten.
Maik: Die Prozesse innerhalb der Branche müssen verstanden werden, um erfolgreich vermitteln zu können. Wegen struktureller und sozioökonomischer Besonderheiten der Branche greift die klassische kommunale Wirtschaftsförderung hier nur sehr bedingt. Daher wurde von städtischer Seite überlegt, einen »Kümmerer« für diese Branche zu engagieren. Die Kreativen aber brauchen keinen Aufpasser, sondern einen Ansprechpartner, der die Strukturen kennt und versteht. Wir haben versucht, diese Alternative zu bilden. Daraus ist eine Kooperation mit der Stadt entstanden, die einen innovativen Charakter trägt.

Mit welchen Problemen sind Kultur- und Kreativwirtschaftler in Dresden konfrontiert?

Claudia: Die Unternehmen in der Kreativwirtschaft sind überwiegend Einzel- und Kleinstunternehmen, weshalb die Öfentlichkeit kaum von der Existenz der vielen unterschiedlichen, teilweise global agierenden Agenturen, Ideenschmieden, Büros und Künstler in Dresden weiß. Wir wollen sichtbar machen, was für Kompetenzen in der Dresdner Kreativszene vorhanden sind und langfristige Partnerschaften mit Industrie, Wissenschaft und Stadtverwaltung aufbauen. Ein wichtiges Thema ist dabei die Existenz von günstigen Arbeitsräumen und kreativen Orten.
Maik: Viele Kreative ziehen auch aufgrund der konstant steigenden Mietpreise in andere Städte, wo ihnen mehr spannender Raum wie leere Fabrikhäuser oder Ähnliches zur Verfügung stehen. Wir wollen dafür sorgen, dass Leerräume in Dresden besser genutzt werden und damit einen Anreiz schaffen, damit auch der Nachwuchs in Dresden bleibt und die Branche stärkt.

Euer aktuellstes Projekt ist die Suche nach einem Kandidaten für den Förderpreis der Landeshauptstadt. Was versprecht ihr euch von dem Bewerbungsverfahren?

Maik: Wir wünschen uns von dem Bewerbungsverfahren, dass man viele Kreative kennenlernt, die vorher unbekannt waren. Es wäre schön einen Kandidaten zu finden, egal ob Einzelperson oder Gruppe, der ein innovatives Potenzial mitbringt.
Claudia: Meiner Meinung nach erhält der Förderpreis viel zu wenig Aufmerksamkeit. Wir erhofen uns durch unseren Kandidaten eine bessere Außenwirkung für Dresden in puncto Kreativwirtschaft. Natürlich wollen wir uns durch die Nominierung auch als Verband positionieren und unseren Mitgliedern sowie den Kreativen generell Türen öfnen.

Wie wird das Auswahlverfahren ablaufen?

Claudia: Eine Vorauswahl der Bewerber wird durch eine Fachjury getroffen. Diese soll die Vielfältigkeit der einzelnen Teilbranchen in der Kultur- und Kreativwirtschaft widerspiegeln. Wichtig ist uns dabei, dass auch ein Wirtschaftsvertreter aus einer fachfremden Branche in der Jury sitzt, um die Beiträge auch nach rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu beurteilen.
Maik: Die Nominierten sollen sich daraufhin bei der Public-Voting-Show am 20. Oktober in der Postkantine auf der Königsbrücker Straße selbst präsentieren. Das ist für sie auch eine Chance, für ihre Projekte zu werben.
Vielen Dank für das Gespräch!

Public-Voting-Gala: Wir stellen einen Kandidaten für den Förderpreis der Landeshauptstadt! Vorschläge jetzt einreichen: Wer bringt Dresdens Kreativ- und Kulturszene efektiv und nachhaltig voran? Wer hat Förderung verdient? 20. Oktober, 19.30 Uhr, Kantine im Postamt, Königsbrücker Straße 21, Eintritt frei. Mehr unter: www.wir-gestalten-dresden.de

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