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DRESDNER Interviews / O-ton!
»Unterhaltung und Tiefsinn schließen sich nicht aus« – Vorjahresgewinner André Herrmann über den Grand Slam of Saxony
Vorjahresgewinner André Herrmann über den Grand Slam of Saxony
■ Am 3. August findet in der Saloppe zum 11. Mal der Grand Slam of Saxony statt. Im letzten Jahr wählte das Publikum André Herrmann gemeinsam mit Daniel Hoth zum Sieger. DRESDNER-Autorin Josefine Gottwald wollte von André Herrmann wissen, was die Zuschauer beim diesjährigen Poeten-Wettstreit erwarten dürfen. Copyright Foto: Felix Foerster.

Der Grand Slam ist eine von sechs so genannten »Road-to-Veranstaltungen«; der Gewinner qualifiziert sich für die deutschsprachigen Meisterschaften Ende Oktober, die auch in Dresden ausgetragen werden. Was macht so einen wichtigen Wettbewerb aus?

André Herrmann: Der Name sagt ja schon, dass die Road-to-Veranstaltungen zu den Deutschsprachigen Meisterschaften hinführen sollen, sei es thematisch oder einfach nur, um zu zeigen, was Slam alles sein kann. Dazu gab es zum Beispiel ein Städtebattle Leipzig-Berlin, die Leipziger Stadtmeisterschaft, die sächsische Songslam-Meisterschaft in Dresden und eben auch den Grand Slam, also die Sächsische Meisterschaft im Poetry Slam. Die Road-to-Veranstaltungen sind immer ein bisschen größer angelegt als die regelmäßigen Slams. Während in der Scheune monatlich 300 Zuschauer kommen, sind beim Grand Slam in der Saloppe eben über 600. Das bringt für die Teilnehmer ein kleines bisschen mehr Ehrgeiz, zumal man sich für den Grand Slam ja auch erst qualifizieren muss. Die Durchschnittsqualität der dargebotenen Texte ist höher als bei anderen Wettbewerben, einfach weil nur die erfolgreichsten sächsischen PoetInnen der vergangenen Saison auftreten.

Wie genau qualifiziert man sich für den Grand Slam of Saxony?

André Herrmann: Die Künstler müssen bei den regelmäßigen Slams in Sachsen erfolgreich sein – dazu zählen Finalteilnahmen und Siege, für die ein Ranking aufgestellt wird. Die vordersten neun PoetInnen werden dann zum Grand Slam nach Dresden eingeladen. Übrigens ist das auch die älteste Poetry-Slam-Landesmeisterschaft in ganz Deutschland.

In Deutschland wird der Poetry Slam dieses Jahr 20 Jahre alt. Wie beurteilst du die Entwicklung in Dresden beziehungsweise Sachsen?

André Herrmann: Sehr gut. Zwar gibt es abseits von Dresden und Leipzig nach wie vor noch recht wenige große Slams in Sachsen, aber seit ein, zwei Jahren kommen immerhin vermehrt junge PoetInnen nach, insbesondere Frauen, die die doch recht männerdominierte Slamwelt ein wenig durchmischen.

Man bekommt den Eindruck, der Schwerpunkt der Slams liegt zunehmend auf der Unterhaltung. Wie tiefsinnig dürfen Slamtexte noch sein, um Gewinnchancen zu haben?

André Herrmann: Unterhaltung und Tiefsinnigkeit schließen sich ja nicht aus. Dass Kunst nicht unterhalten darf, halte ich nach wie vor für ein Problem, das in Deutschland verbreitet ist. Dass viel Humor auf den Bühnen zu finden ist, kommt für mich eher daher, dass Humor das schnellere Transportmittel zwischen PoetIn und Publikum ist. Aber auch Humor muss nicht zwangsläufig einem Sinn entbehren. Es ist wie mit der Bahn: Wer viel Bahn fährt, der merkt, dass es verhältnismäßig gar nicht so viele Verspätungen gibt.
Dankeschön für das Gespräch!

Die Sächsische Poetry-SlamMeisterschaft findet am 3. August um 19 Uhr Open Air in der Saloppe statt. Qualifiziert haben sich dafür Mike Altmann (Görlitz), Kaddi Cutz, Thomas Jurisch, Nils Matzka, Max Rademann (alle aus Dresden) Erik Leichter (Chemnitz), Marsha Richarz, Jan Lindner und Leonie Warnke (alle aus Leipzig). Mehr dazu unter: www.livelyrix.de

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