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»Uns ist nicht bange, wie es weiter geht« – Letzte Instanz im Interview zum Jubiläumskonzert (Foto: Andraj Sonnenkalb)
Letzte Instanz im Interview zum Jubiläumskonzert (Foto: Andraj Sonnenkalb)
■ Vor 20 Jahren in Dresden gegründet, ist die Letzte Instanz längst zu einer festen Größe in der schwarzen Szene geworden. Darüber hinaus verschaffte sich das deutschsprachige Sextett um Sänger Holly Loose mit den letzten beiden erfolgreichen Alben »Liebe im Krieg« und »Morgenland« über die Gothic-Szene hinaus Respekt und Anerkennung. DRESDNER-Redakteur Heinz K. sprach anlässlich des Bandjubiläums mit Geiger Rico Schwibs über »Brachialromantik«, Höhen und Tiefen der Bandgeschichte und über das Jubiläumskonzert im Alten Schlachthof.

Zusammen mit Benni Cellini gehörst du unter dem Pseudonym Muttis Stolz zu den Gründungsmitgliedern von Letzte Instanz. Was waren die Höhepunkte, was die Tiefpunkte in der Bandgeschichte?

Muttis Stolz: Ein Höhepunkt waren die Konzerte in China. Man kommt als deutsche Band eigentlich nicht nach China, es sei denn man heißt Tokyo Hotel, Rammstein oder Kraftwerk. Deswegen war die Einladung des Goethe-Instituts für uns eine Chance, und die Leute reagierten wirklich verrückt. Sie kannten uns nicht, aber sie waren heiß auf neue Musik. Die haben wir ihnen geliefert und wir waren verblüfft – ein tolles Erlebnis. Und dann hatten wir im letzten November ein Konzert in Leipzig mit dem Gewandhaus-Orchester in der Reihe »Gothic meets Klassik«, wo wir mit Oomph aufgetreten sind. Schon die Proben mit dem Orchester waren sehr schön. Gerade für uns »unstudierte« Streicher war es sehr spannend, ein Orchester als erster Geiger und erster Cellist anleiten zu können. Mit einem Orchester im Rücken zu spielen, das deine Songs performt, das war ein geiles Erlebnis – der bisherige Höhepunkt unserer Karriere.
Wann immer ein Bandmitglied ausgestiegen ist, war dies kein schönes Erlebnis. Es gibt musikalische und eben auch private Gründe – egal wie es dazu kam, es ist immer traurig und manchmal auch enttäuschend. Mittlerweile sind wir wieder ein gutes Team. Und deswegen ist uns auch nicht bange, wie es weiter geht.

Euer letztes Album »Morgenland« hat viele gute Kritiken bekommen. Mit »Mein Land« habt ihr klar Stellung bezogen gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus, und besonders beeindruckend empfand ich das 8-Minuten-Stück »Children«, das im Original von der israelischen Band Orphaned Land stammt. Wird es da vielleicht gemeinsame Auftritte geben?

Muttis Stolz: Nein, geplant ist da nichts. Das war wirklich eine einmalige Sache fürs Album.

Der Song ist ja schon sehr ungewöhnlich für die Letzte Instanz … ?

Muttis Stolz: Ja, es ging uns allein um die Message und den Inhalt. Unser Sänger war völlig ergriffen von dem Lied und hat mit Kobi Farhi, dem Sänger von Orphaned Land, Kontakt aufgenommen. Wir haben es dann als Coverversion mit aufs Album genommen, weil uns dieses Versöhnungslied angesichts des ungelösten Konflikts zwischen Israelis und Palästinensern wichtig erschien.

Ihr bezeichnet euren Style ja als Brachialromantik. Nun hat man im Metal Hammer beklagt, dass sich die Letzte Instanz von Gothic Rock und Dark Wave verabschiedet hat und in Richtung Pop gewandert ist ... ?

Muttis Stolz: Absolut. Es gab halt immer wieder neue Leute in der Band, die neue Einflüsse eingebracht haben. Wir wurden dem Gothic zugeschrieben, weil wir Streicher, eine tiefe Männerstimme und existenzielle Texte haben und melancholisch sind. Diese Kombination ist sehr günstig, um im Gothic Fuß zu fassen, und wir haben da immer noch unsere Fanbase und spielen viele Festivals. Aber so richtig zur Szene dazu gehört, haben wir nie.

Aber ihr seid doch noch immer mit der schwarzen Szene verbunden?

Muttis Stolz: Unsere Lieder kann man von verschiedenen Seiten betrachten. Wir sind weniger schwermütig geworden, aber der Tiefgang ist noch da, um sich mit unseren Texten auseinanderzusetzen. Nicht nur Liebe, auch Tod und Gesellschaftskritik werden darin verhandelt. Aber ich glaube, der Metal Hammer fand »Morgenland« nicht so schlecht; das finde ich schon erstaunlich, denn die Platte ist eigentlich eher rockig mit Popanleihen und hat mit Metal gar nichts zu tun. Das ist vielleicht aber auch erklärlich, weil wir im Februar bei den »Wacken Winter Nights« und in diesem Sommer ausgiebig auf Mittelalter-Festivals gespielt haben, wo wir viele neue Leute begeistert haben.

Zu eurem Jubiläumskonzert sind namhafte Gäste angekündigt. Spielen die Gäste vollständige Sets, oder was können die Besucher da erwarten?

Muttis Stolz: Die Gastauftritte werden etwa eine knappe Stunde umfassen. Weil wir selber deutlich mehr als zwei Stunden spielen und den Abend nicht zu lang werden lassen wollen. Dazu haben wir Lieder hervorgekramt, die wir schon seit zehn Jahren nicht mehr gespielt haben. Es werden ja auch einige Sänger von Bands mit dabei sein, mit denen wir freundschaftlich verbunden sind, wie Zeraphine, Lord Of The Lost, Fidder‘s Green und Schandmaul. Als kleines Schmankerl haben wir auch unseren alten Sänger Sebastian Lohse eingeladen und zwei Sängerinnen, mit denen wir in letzter Zeit zusammengearbeitet haben. Zudem wird es einen zweiten Cellisten und eine zweite Geigerin geben, und die Stücke, die wir am Klavier eingespielt haben, werden auch live am Klavier zu hören sein. Und deswegen wird es dann wohl doch ein langes Konzert.
Besten Dank für das Gespräch!

20 Jahre Letzte Instanz – Das Jubiläumskonzert, am 13. Oktober, 19 Uhr im Alten Schlachthof. Mehr zur Band: www.letzte-instanz.de

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