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DRESDNER Interviews / O-ton!
Selbstüberprüfung, Rückschau, Neubesinnung – Die Ostrale geht in die siebte Runde
Die Ostrale geht in die siebte Runde
■ »Wir überschreiten den Rubikon« lautet der Slogan der Ostralier, die in ihrem siebten Festivaljahr nicht nur zurück, sondern vor allem nach vorn blicken. Andrea Hilger hat sich Kunsthistoriker Moritz Stange als zweiten künstlerischen Leiter ins Boot geholt, mit dem sie gemeinsam die Ostrale auffrischen will. Die neuen Ideen hören sich vielversprechend an: Erstmalig werden verstärkt Außenräume wie das Maritim-Hotel und das Alte Pumpenhaus mit Kunst bespielt, als Kuratoren werden zudem verschiedene Galeristen aktiv. DRESDNER-Autorin Sandra Erber hat sich mit den beiden Ostrale-Chefs über die Neuerungen unterhalten.

Das Thema der Ostrale’013 lautet »Wir überschreiten den Rubikon«. Da klingt etwas von Zäsur und Neuordnung an. Was verbirgt sich hinter der Idee und wie wird sie umgesetzt?

Moritz Stange: Es bedeutet, dass wir zurückblicken, eine Etappe hinter uns lassen und uns entschließen dem Neuen, Fremden zu begegnen. Daher beschäftigt sich die Schau dieses Jahr auch inhaltlich mit Grenzen, wie der Rubikon ja eine ist. Der Künstler Olaf Rößler befasst sich etwa mit visuellen Grenzen, indem er nachts bei nahezu völliger Dunkelheit Ortschaften fotografiert und den Betrachter herausfordert, etwas in seinen Bildern zu erkennen. Grenzen überschreiten bedeutet außerdem Selbstüberprüfung: Nur wer sich seiner selbst gewiss ist, kann sich dem Fremden in seiner Wahrheit zuwenden.
Andrea Hilger: Aber auch im politischen Kontext gehen wir das Thema an und waren bemüht, provokative künstlerische Positionen zu finden. Die ausstellenden Künstler befassen sich unter anderem mit den Konflikten zwischen Islam und Christentum oder Israel und Palästina. Willi Filz zeigt beispielsweise auf zwei zirka zwölf Meter langen Fotowänden diese Sperranlagen jeweils von der israelischen und palästinensischen Seite. Da spürt man ganz unmittelbar die Beklemmung und Begrenzung, die eine solche Mauer auslösen kann.

Herr Stange, Sie wurden dieses Jahr als weiterer künstlerischer Leiter mit ins Boot geholt. Was möchten Sie gern auf der Ostrale umsetzen und welche Potenziale sehen Sie?

Moritz Stange: Mir liegt eine starke lokale Vernetzung in die Stadt hinein, sowie zu Museen, Galerien und den hiesigen Hochschulen am Herzen. Wir haben beispielsweise dieses Jahr neben Prof. Marc Deggellers Klasse auch Studenten aus der Kehrbach-Klasse der HfBK eingeladen, ihre Werke bei uns zu präsentieren. In Zukunft wäre es auch schön, die HGB aus Leipzig mit einzubinden. In den nächsten Jahren wollen wir noch mehr über den lokalen Tellerrand hinausblicken und uns international orientieren. Für den Ausstellungszyklus zu Osteuropa knüpfen wir da gerade Kontakte nach Moskau und Perm und schauen dort nach interessanter Kunst.

Spannend ist, dass Sie dieses Jahr mehrere Galeristen eingeladen haben, das Festival kuratorisch mitzugestalten. Inwiefern hat sich das auf die Auswahl der Künstler ausgewirkt und auf die Konzeption des Festivals?

Andrea Hilger: Wir haben schon immer mit Galeristen kooperiert – beispielsweise ist Knut Hartwich aus Sellin im dritten Jahr dabei. Es war uns aber eben auch wichtig, lokale Galeristen einzubinden, die mit ihrem Know-how die künstlerische Qualität für uns steigern und wir unser Netzwerk vor Ort ausbauen können. Und da haben wir natürlich ganz anders in den Jurysitzungen ausgewählt.
Moritz Stange: Es ist sehr hart zugegangen, wir haben strenge Kriterien angelegt. Neben einer hohen künstlerischen Qualität war vor allem wichtig, wie gut sich die Werke in das Ausstellungskonzept einreihen. Das war in der Vergangenheit ja ein Kritikpunkt gegenüber der Ostrale.

Besteht da nicht die Gefahr, dass die Externen das Festival nutzen, um Künstler aus den eigenen Reihen gezielt zu popularisieren?

Andrea Hilger: Die Beteiligten verstehen sich hier ganz klar nicht als kommerzielle Galeristen, sondern bieten ihren Künstlern eine Plattform, sich außerhalb der Galerieatmosphäre auszuprobieren. Es geht hier um einen Austausch.

Sie scheinen ja einen ziemlichen Qualitätssprung anzustreben. Gibt es aber nicht seitens einiger Künstler Berührungsängste, hier auszustellen? Immerhin ist die Ostrale kein White Cube, sondern ein äußerst sanierungsbedürftiges Gelände?

Moritz Stange: Die meisten Künstler finden es ganz spannend, mal jenseits des White Cube ausstellen zu können und finden auch die Brüche interessant. Sicherlich hat es aus konservatorischer Sicht ein oder zwei Absagen gegeben.
Andrea Hilger: Die Sanierung ist nach 2014 dringend notwendig. Wir sind, was die Gebäudesicherheit angeht, natürlich nicht wie zum Beispiel die Staatlichen Kunstsammlungen aufgestellt. Von daher ist es auch immer eine versicherungstechnische Frage, wie hoch wir mit der künstlerischen Qualität reingehen können.
Danke für das Gespräch!

»Ostrale’013«, 5. Juli bis 15. September, Ostragehege, Maritim-Hotel, Altes Pumpenhaus Devrientstraße, Kommunikationsagentur Oberüber-Karger; www.ostrale.de

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