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DRESDNER Interviews / O-ton!
Raus aus dem Jazzclub, rein in die Tonne – Die Tonne startet am 17. Oktober neu in den alten Räumen des Kurländer Palais
Die Tonne startet am 17. Oktober neu in den alten Räumen des Kurländer Palais
■ Seit Oktober 2009 ist Steffen Wilde Geschäftsführer und Programmchef des renommierten Jazzclubs Tonne. Er hat die Interimszeit nach der Insolvenz des Jazzclubs 2001 im Waldschlösschen nicht mehr miterlebt, doch das Programm nach dem Neustart auf der Königstraße wesentlich geprägt. Nach 34 Jahren kehrt die Tonne nun wieder dahin zurück, wo alles begann: in die Tonnengewölbe unter dem Kurländer Palais. Die Räume sind zunächst auf zehn Jahre angemietet – eine langfristige Perspektive also für das Team um Steffen Wilde, mit dem sich DRESDNER-Redakteur Heinz K. über die neuen Möglichkeiten unterhalten hat.

Was ist das ein Gefühl für dich und für die Vereinsmitglieder, nach 34 Jahren zurück in die alte Tonne zu ziehen?

Steffen Wilde: Ja, das ist ein großartiges Gefühl für uns alle. Ich fühle mich jetzt schon sauwohl, und die anderen noch ein bisschen mehr, denn da hängen ja tausende Erinnerungen dran. Wir sind heiß drauf, endlich anfangen zu können.

Erst der Wasserschaden, dann die Kündigung der Tonne auf der Königstraße. Wie kam es denn dazu, dass ihr die Räume angeboten bekommen habt?

Steffen Wilde: Das war Zufall. Durch einen Hinweis unseres Getränkehändlers sind wir darauf gekommen, dass in der Tonne im Kurländer Palais schon seit fast zwei Jahren nichts mehr passiert. Dort wurde ein Mieter mit einem guten Konzept gesucht. Dann haben wir unser Konzept vorgestellt und sind darin gelandet.

Zur Vorgeschichte: Nach dem Wasserschaden im Juni gab es einen Streit mit dem Liegenschaftsamt. Ihr seid an die Presse gegangen. Daraufhin hat das Liegenschaftsamt euch die Räume auf der Königstraße gekündigt?

Steffen Wilde: […] Von allen Seiten wurden wir unterstützt, nur das Liegenschaftsamt ist stur und steif auf den Vorschriften sitzen geblieben. Da konnten wir zehnmal erzählen, dass die Tonne eine namhafte Spielstätte ist, dass wir zweimal den Spielstättenprogrammpreis der Bundesregierung und 2011 den Live-Entertainment Award als eine der führenden Spielstätten in Deutschland bekommen haben.

Hat das ein Nachspiel?

Steffen Wilde: Wahrscheinlich leider ja. Vom Liegenschaftsamt wird weiter die Mietzahlung angemahnt, die wir nach dem Wassereinbruch um 100 Prozent gemindert haben. Weil der Mietzweck für uns nicht mehr erfüllbar ist. In der Kündigung steht ja auch, dass »eine Nutzung im beiderseitigen Interesse nicht befürwortet werden kann«. Die Spielstätte sei ja noch spielbereit, es könne aber nicht ausgeschlossen werden, dass es wieder hinein regnet. Daher fordern sie die Miete nach. Das ist unverständlich und unschön, inzwischen aber eher ein Nebenschauplatz der Ereignisse.

Ihr habt nun im Kurländer Palais größere Räume zu bespielen. Also gibt es auch mehr Möglichkeiten. Wird sich an der Programmatik etwas ändern?

Steffen Wilde: Wir können jetzt Konzerte machen, die ich vorher gar nicht angefragt habe für die kleine Tonne auf der Königstraße. Deshalb hatten wir ja schon vor längerer Zeit die Fühler nach größeren Räumen ausgestreckt. Programatisch ändert sich eigentlich nichts. Es wird immer der Jazz und alles, was damit zu tun hat, im Mittelpunkt stehen. Mit den größeren Räume für offiziell 350 Besucher bekommen wir namhaftere Leute, weil wir die höheren Kosten durch mehr Gäste decken konnen. Dass wir aber grundsätzlich etwas verändern, wird nicht passieren, denn wir sind ja jetzt schon gut aufgestellt mit einem breit gefächerten Spektrum. So soll es auch weitergehen.

Wird sich etwas an den Eintrittspreisen verändern?

Steffen Wilde: Die werden stärker gestaffelt sein. Für die wirklich namhaften Künstler nehmen wir die bundesweit üblichen Preise und wenn wir wie jetzt schon Nachwuchskünstler präsentieren oder Hochschulveranstaltungen machen, bleibt der Eintrittspreis niedrig.

Also bleibt es bei den Kooperationen mit der Musikhochschule?

Steffen Wilde: Ja, die wollen wir sogar noch ausbauen. Wir sind ja jetzt für so einige Veranstalter und Agenturen interessanter geworden. Es gibt gerade Gespräche mit verschiedensten Leuten. Da wird sich einiges tun.

Das Grand Opening am 17. Oktober steht ins Haus. Was erwartet uns da mit den Drummern Günter Baby Sommer und Demian Kappenstein, mit Schwarzkaffee und den DJs, was erhofft ihr euch?

Steffen Wilde: Es soll eine schöne Party werden. Zum einen haben wir mit Baby Sommer ein Urgestein der Dresdner Jazzszene, zum anderen junge Wilde.

Im Tonne-Schriftzug fehlt inzwischen das Wort »Jazzclub«. Warum?

Steffen Wilde: Uns ist wichtig, dass wir die Vielfalt von Jazz zeigen können. Leider ist da die Bezeichnung »Jazzclub« keine große Hilfe, sondern schreckt potentielle Besucher eher ab. Weil sie eine falsche Vorstellung von Jazz-Musik haben. Ich sitze ja auch in der Bundeskonferenz Jazz und selbst da ist das immer wieder ein Diskussionspunkt.

Weil Jazz ein bisschen altbacken riecht?

Steffen Wilde: Richtig. Allein schon bei dem Wort »Jazz« denken viele, das ist ganz furchtbar, da kann man gar nicht hingehen, weil sie Altherrenmusik oder schräges Zeug vermuten. Wir versuchen den Leuten die Angst zu nehmen. Wir sind die Tonne und da gibt es gute Musik. Drum steht in unserem Logo: »Tonne – Jazz Art Music«. Weil das Programm eben nicht dröge ist. Beispielsweise spielt bei uns im November der brasilianische Soul-Funk-Koloss Ed Motta und im Dezember das Hidden Orchestra. Beides absolut hörenswert, auch für Nicht-Jazz-Hörer.
Besten Dank für das Gespräch!

Grand Opening am 17. Oktober in der Tonne (Tzschirnerplatz 3-5) mit Baby Sommer & Demian Kappenstein, Schwarzkaffee, The Emu & Al Paka sowie Überraschungsgästen; weitere Höhepunkte im Oktober: Sarah Ferri am 22., Get The Blessing & Studnitzky Quartet am 24., sowie die Saxophonmesse mit abendlichen Konzerten vom 28. Oktober bis 1. November; mehr unter www.jazzclubtonne.de

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