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Nach der Flut – Der Pressesprecher der Stadt Dresden, Kai Schulz, im Interview zu der privaten Hilfswelle, die Dresden zur Flut 2013 überrollte
Der Pressesprecher der Stadt Dresden, Kai Schulz, im Interview zu der privaten Hilfswelle, die Dresden zur Flut 2013 überrollte
■ Dresden ist nah am Wasser gebaut. Zu nah? stellt sich wohl so mancher Dresdner die Frage, angesichts zweier »Jahrhunderthochwasser« im Abstand von nur elf Jahren. Aufgrund vieler dringlicherer Aufgaben im Katastrophenstab, wurden unsere Anfragen zur selbstorganisierten Hilfe der Dresdner erst nach Redaktionsschluss vom Presseamt beantwortet. Aber hier sind sie nun, als kleine Ergänzung zum Flut-Report in der Juliausgabe des DRESDNER Kulturmagazins. Die Fragen stellte Heinz K.

Anders als noch 2002 gibt es 2013 einige private Initiativen wie etwa Fluthilfe Dresden oder Elbpegelstand in der Stadt, die Hilfsaktionen über soziale Netzwerke organisieren. Wurde mit diesen von Seiten der Koordinationsstelle für Hilfsangebote und den Einsatzstäben kommuniziert? Wenn ja, wie sah diese Kommunikation im konkreten Fall aus?

Kai Schulz: Auch 2002 hatte es einige private Initiativen gegeben, die aber eher »analog« waren. Auch die Stadt und der Katastrophenstab hat bewundernd auf die Arbeit bei facebook geschaut. OB Orosz hat in einer Pressekonferenz zu Recht formuliert: »Das war nicht nur unglaublich solidarisch, es war auch
eine echte Entlastung für die Verwaltung. Wir haben uns so auch stärker auf die direkte Gefahrenabwehr konzentrieren können«. Gegen Ende der ersten Juniwoche hat es dann einen direkten Kontakt mit den Initiatoren am Glücksgasstadion gegeben. Dort wurde über Austausch von Informationen und Vernetzung gesprochen. Mittlerweile befindet sich die Stadt im regelmäßigen Kontakt über Hilfersuchen und logistische Unterstützung.

Es waren zahlreiche Hilfsorganisation und professionelle Helfer von THW, Bundeswehr, Feuerwehren bei der Bewältigung der Hochwasserschäden vor Ort. Manche, wie im Falle der Feuerwehrleute aus Hessen, scheinen gar nicht erst benötigt zu werden. Wird dann überhaupt noch die freiwillige Bürgerhilfe von Seiten der Stadt benötigt und ist sie auch erwünscht?

Kai Schulz: In Dresden waren sehr früh sehr viele Hilfskräfte anwesend, die eingesetzt werden wollten. Das wurde von der Technischen Einsatzleitung auch umgesetzt. Kriterien dafür waren die zeitliche Notwendigkeit und die Beachtung der zu erwartenden Länge des Einsatzes. Mittlerweile waren alle
anwesenden Einheiten im Einsatz. Dadurch konnte auch ein vernünftiger Wechsel und die Ablösung erschöpfter Einsatzkräfte gut geregelt werden. Die Hilfe, die durch die unzähligen Freiwilligen, meist eigenständig über facebook organisiert, hat die Einsatzkräfte und die Einsatzleitung fasziniert und natürlich die Einsatzkräfte massiv unterstützt. Natürlich haben wir als Einsatzleitung die Prioritäten nach den Einsatzschwerpunkten und den prognostizierten Pegeln gewichtet. Die Bürgerhilfe ist auch bei den Aufräumarbeiten erwünscht, kann allerdings von der Technischen Einsatzleitung nicht koordiniert werden. Auch hier kann sich die Hilfe sicher über die schon bestehenden sozialen Netzwerke organisieren. Es wird genügend Menschen geben, die sich über Hilfeleistungen, die die Behörden nicht leisten kann, freuen werden.

War die organisierte private Hilfe für die Sandsackbarriere an der Leipziger Straße von zumeist jungen Menschen eigentlich mit dem Katastrophenstab und den professionell im Einsatz befindlichen Hilfswerken und Einsatzleitern abgesprochen und koordiniert?

Kai Schulz: Auf der Leipziger Straße waren Feuerwehrkräfte im Einsatz, die an der Moritzburger Straße und der Eisenberger Straße mit dem Sandsackverbau begonnen haben. Der Einsatzleiter vor Ort hatte guten Kontakt mit den freiwilligen Helfern und es gab dann auch Absprachen mit den Organisatoren
der Bürgerhilfe. Ohne die Mitwirkung der Bürger wäre an der Leipziger Straße der Verbau nicht in dieser Geschwindigkeit entstanden. Neben dem Dankeschön geht auch ein Lob an die Helfer. Denn Sandsackverbau gehört ja nun mal nicht zur klassischen Schulausbildung, aber der Verbau ist in einerordentlichen Qualität errichtet worden. Auch an anderen Stellen der Stadt gab es ein gutes Zusammenarbeiten der Einsatzkräfte und der helfenden Bevölkerung. Dabei war es unerheblich, ob Einsatzkräfte der Feuerwehr, des Technischen Hilfswerkes oder der Bundeswehr vor Ort waren.
Vielen Dank für die Rückmeldung!

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