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DRESDNER Interviews / O-ton!
Mit Krach durch die Republik – Die Toten Hosen im Interview
Die Toten Hosen im Interview
■ Längst füllen sie große Hallen und Arenen und sind auch bei renommierten Festivals ein sicherer Garant für beste Rock-Stadien-Stimmung. Der Weg dorthin war bekanntlich nicht immer einfach, oft feuchtfröhlich und selten leise. Ob das Quintett dabei mittlerweile besser in die Schublade »Altpunks« passt, oder doch eher die Kragenweite arrivierter Rockstars hat, wird bei so viel Erfolg schnell zur medialen Spitzfindigkeit. Schließlich feierten Die Toten Hosen 2012 allen Exzessen und Rückschlägen zum Trotz nicht nur ihr 30. Jubiläum, sondern veröffentlichten mit »Ballast der Republik« zudem ein neues Album und lieferten mit »Tage wie diese« die erfolgreichste Single der Bandgeschichte gleich noch mit. Hosen-Gitarrist Breiti verriet DRESDNER-Autor Ben Dominik, wieso es gerade dieser Hit beinahe nicht auf die Platte geschafft hätte, weshalb er sich neben der Musik schon lange für »Pro Asyl« engagiert und warum ihm Punkrock auch heute noch am Herzen liegt.

»Ballast der Republik« ist überaus erfolgreich und auch bei der diesjährigen Echo-Verleihung seid ihr mit vier Auszeichnungen nach Hause gegangen. Erleben Die Toten Hosen gerade ihren zweiten Bandfrühling?

Breiti: Wenn man das so lange macht, dann geht es ja immer mal hoch und runter. Was aber auf jeden Fall zum allerersten Mal in dieser Form war: Wir hatten noch nie so einen Single-Hit. »Tage wie diese« wurde auch viel im Radio gespielt. Normalerweise kommen wir im Format-Radio aber eher nicht so vor. Leute, die sich sonst nicht dafür interessieren würden, werden so neugierig, holen sich das Album, oder kaufen sich eine Konzertkarte, um herauszufinden, was wir drauf haben. Das hat auf jeden Fall eine ganze Menge ausgelöst. Die vier Echos werden einem da eher noch zusätzlich hinterher geschmissen.

Du warst vom Erfolg der Single also selbst überrascht? Das Stück soll es ja ursprünglich fast nicht auf die Platte geschafft haben, richtig?

Breiti: In seiner ersten, zweiten und dritten Form ist es jedes Mal in der Mülltonne gelandet. Erst, als wir am Text und einen oder zwei Akkorde geändert haben, hat es auf einmal gepasst. Manchmal ist es seltsam. So ein Stück wie »Hier kommt Alex« war auch schon weg, bis wir es dann wieder hervorgeholt und gemerkt haben, dass der Song doch Spaß macht. Manchmal blickt man selber nicht mehr durch, wo man gerade steht. Wer weiß, was wir da schon alles weggeworfen haben.

Neben großen Hallen und Open-Air Auftritten pflegt ihr immer noch die Tradition der Wohnzimmerkonzerte. Wie wichtig ist es euch dadurch die Tuchfühlung mit der Basis nicht zu verlieren?

Breiti: In erster Linie machen wir das für uns selber. Man geht auf eine Party bei Leuten zuhause, zu der 40 oder 50 Leute kommen. Das ist Begrenzung und Bedingung. Man hat dann die Gelegenheit, mit den Leuten ein paar Stunden, die ganze Nacht, oder sogar noch morgens beim Frühstück eine gute Zeit zu verbringen. Man unterhält sich und lernt sich gegenseitig kennen. Manchen von den Leuten, bei denen wir gespielt haben, kommen immer noch zu unseren Konzerten und es macht Spaß, sie dort zu sehen. In den großen Hallen ist es leider oft nicht möglich, Leute wirklich kennenzulernen. Im kleinen Rahmen aber erfährt man, wie die so drauf sind, was sie an unseren Liedern gut finden und was sie für ein Leben haben. So haben beide Seiten etwas davon.

Stichwort: Die Ärzte. Im August eröffnet ihr für sie ein Festival auf dem Tempelhofer Feld in Berlin. Außerdem habt ihr ihren Song »Schrei nach Liebe« gecovert. Indizien, dass die alte Fehde endgültig beigelegt ist?

Breiti: Unsere Rivalitäten oder Streitigkeiten sind schon ewig her. Wir gehen zu deren Konzerten, wenn sie in der Stadt sind und umgekehrt. »Schrei nach Liebe« ist zudem ein tolles Lied. Daher war es uns wichtig, es mit auf der Jubiläumsplatte zu haben. Wir spielen den Song auch gerne bei unseren Konzerten. Wir haben mit den Ärzten ein sehr entspanntes und gutes Verhältnis.

Du selbst engagierst dich seit längerem für und bei »Pro Asyl«. Eine persönliche Reaktion auf die zunehmende Abschottung Europas vor Zuwanderung?

Breiti: Ich bin schon sehr lange Mitglied. Anfang der 90er habe ich angefangen, mich dafür zu interessieren, als das Asylrecht so abgeändert wurde, dass man fast schon sagen kann, das Asylrecht wurde abgeschafft. Leider ist es immer noch so, dass Asylbewerber in Deutschland auf skandalöse Art und Weise behandelt werden und die EU durch ihre Abschottung nach außen billigend den Tod von tausenden von Menschen in Kauf nimmt. Das ist ein Skandal, der in der Öffentlichkeit leider nur wenig Leute interessiert. Deswegen bin ich froh, dass es eine Organisation wie »Pro Asyl« gibt, die mit Fachleuten professionell an dem Thema arbeitet und mit Geduld und Ausdauer in Einzelfällen, wie auch bei gesetzlichen Regelungen kleine und große Verbesserungen erreicht. Wenn es Organisationen wie Pro Asyl nicht gäbe, dann wäre ich an dieser Front total desillusioniert.

Campino gilt als das Sprachrohr der Band. Du selbst pflegst das Image des Zurückhaltenden. Wurde sich im Laufe der Bandhistorie irgendwann auf derartige Rollen geeinigt, oder entspricht die Rampensau einfach nicht deinem Naturell?

Breiti: Das macht jeder nach seinen Vorlieben. Ich hasse zum Beispiel Fernsehkameras. Radio ist für mich das viel spannendere Medium. In Sendungen zu Gast zu sein, in denen der Moderator gut ist und man sogar noch mitgebrachte Platten auflegen kann, ist da schon eher mein Ding.

Was bedeutet für dich der Begriff Punkrock anno 2013?

Breiti: Ich bin immer noch von der Musik und den Ideen der Punkrock-Bewegung geprägt. Das war für uns die Initialzündung, die bewirkt hat, dass wir selber in Bands spielen wollten. Da ging es einerseits um die Musik, welche die Kraft hatte, die Rockmusik wieder zu ihren Wurzeln zurückzuführen. Andererseits war Punkrock inhaltlich antirassistisch und suchte den Schulterschluss mit der Reggae-Szene. Eine ganz wichtige Idee von Punk war auch: mach es einfach selber, egal ob du Talent hast. Es ist scheißegal, Hauptsache du machst das, was du tun willst. Mach es selber, bevor andere Leute etwas mit dir machen. Eine wichtige Grundidee, die uns bis heute prägt.
Vielen Dank für das Gespräch! Danke Dir. Wir freuen uns schon auf Dresden. Das Elbufer ist ein wirklich besonderer Ort.

Die Toten Hosen sind am 22. & 23. August live zu den Filmnächten am Elbufer zu erleben; beide Konzerte sind restlos ausverkauft. Copyright Foto: Carla Meurer. Mehr zur Band: www.dietotenhosen.de

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