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»Metal hat mir das Leben gerettet« – Soulfly‘s Max Cavalera (Foto: Rodrigo Fredes) im Interview
Soulfly‘s Max Cavalera (Foto: Rodrigo Fredes) im Interview
■ Sein Name: Synonym für Härte. Musikalisch gibt es kaum jemanden, der ihm und seinen Bands in Sachen Klangwalze das Wasser reichen kann. Mit Soulfly kommt Max Cavalera im Juli in den Beatpol. Für DRESDNER-Autor Matthias Hufnagl ein willkommener Anlass, mit der Metal-Legende über Familienbande, Drogensucht und Musik als Chance auf ein besseres Leben zu sprechen.

Deine Gitarre hat lediglich vier Saiten. Was steckt dahinter?

Max Cavalera: Ich konnte noch nie Solos spielen. Da ich die Saiten nicht benutzte, habe ich sie irgendwann herausgezogen. Seitdem bin ich gezwungen, in puncto Riffs kreativer zu sein. Heutzutage gibt es Musiker, deren Gitarren acht oder sogar neun Saiten haben. Ich wüsste nicht mal, wie man auf so einem Scheiß spielt. Mein ganzer Stolz sind meine Riffs.

Dein Sohn Zyon sitzt bei Soulfly seit ein paar Jahren hinterm Schlagzeug. Ist es schwer, auf Tour der Vaterrolle zu entsprechen und gleichzeitig zusammen zu feiern?

Max Cavalera: Auch wir werden älter, die Partys sind nicht mehr ganz so wild. Zudem lebe ich schon seit zehn Jahren »Straight Edge«. Für mich findet die Party während der Show statt. Dabei meinen Sohn um mich zu haben ist großartig. Ich versuche ihn zu lehren, den Moment zu genießen. Sicher, ein gutes Spiel ist wichtig, man darf sich aber nicht so sehr auf Perfektion versteifen, dass dabei das Vergnügen auf der Strecke bleibt.

Welche Rolle spielt die Familie im Cavalera-Universum?

Max Cavalera: Familie war schon immer dabei. Sepultura habe ich mit 13 Jahren zusammen mit meinem Bruder Igor gegründet. Heute sind wir im Rahmen von »Cavalera Conspiracy« wieder Teil der gleichen Band. Auch unsere Roadies und T-Shirt Verkäufer kommen aus der Familie. Bei dieser Tour nehmen wir sogar die Enkel das erste Mal mit nach Europa.

Stichwort »Straight Edge«. Vor der Nüchternheit gab es eine Zeit in deinem Leben mit vielen Drogen und einer Menge Alkohol. Was hat dir geholfen, diesen Teufelskreis zu durchbrechen?

Max Cavalera: Das geschah in kleinen Schritten. Richtig klar wurde mir, dass ich damit aufhören muss, als ich aufgrund der Drogen anfing Konzerte zu verpassen. Hätte ich an diesem Punkt nicht aufgehört, wäre Tod durch Überdosis die logische Folge gewesen. Ich habe mir damals mein bisheriges Leben angesehen und realisiert, wie viel Glück ich bis hierhin hatte. Ich begriff, wie dumm es wäre, all das aufgrund der Drogen aufs Spiel zu setzen. So habe ich mich dafür entschieden, noch etwas hier zu bleiben und mein Leben zu genießen – nicht zuletzt auch für meine Familie.

Vermisst du den Exzess manchmal?

Max Cavalera: Gar nicht so sehr. Ständig auf der Suche nach Drogen zu sein ist äußerst anstrengend. Die so freigesetzte Energie stecke ich heute in die Musik. Ich kann alles viel mehr genießen, als zu den Zeiten, in denen ich ständig betrunken oder high war. Zwar habe ich während meiner wilden Zeit viele verrückte Sachen gemacht, den Kater danach aber schon damals gehasst.

Nervt es, wenn Fans allerorts beständig nach einer Wiedervereinigung von Sepultura fragen?

Max Cavalera: Ich kann die Nachfragen verstehen. Das ist wie bei Ozzy (Osbourne, Anm. d. Red.), der ständig auf Black Sabbath angesprochen wurde. Dabei war er seine ganze Karriere über extrem erfolgreich. Mit Black Sabbath aber hat er einen übermächtigen Eindruck hinterlassen. Das ist es wohl, worum es auch bei Sepultura geht. Ich für mich lebe lieber im Hier und Jetzt und freue mich auf die Zukunft. Ich bin stolz, auf das was war, denke aber, das Beste kommt erst noch.

Wird es bei den anstehenden Konzerten trotzdem den ein oder anderen Sepultura-Song zu hören geben?

Max Cavalera: Wir spielen überwiegend Soulfly-Stücke, manchmal aber auch »Refuse/Resist«. Das Publikum hat Sehnsucht nach der Originalstimme und das ist nun mal meine. Viele Fans waren schon da, als es Sepultura noch in der ursprünglichen Besetzung gab. Sie wollen genau das wieder hören, also geben wir es ihnen. Wir planen auch, bei den Konzerten in Europa schon einen Song vom kommenden Soulfly-Album zu spielen, was diesen Sommer erscheinen wird.

Was bedeutet dir Metal ganz persönlich?

Max Cavalera: Für mich ist Metal ein Lebensstil. Dabei geht es um Freiheit und immer auch um mehr als nur die Musik. Ich selbst benutze das Ganze als eine Art Waffe, gleichzeitig aber auch als Inspiration für sämtliche Lebenslagen. Streng genommen hat mir Metal das Leben gerettet und mir den Weg aus Brasilien gewiesen.

Wie wäre dein Leben ohne die Musik verlaufen?

Max Cavalera: Mit all den Drogen und Verbrechen gibt es in Brasilien nicht viele Möglichkeiten. Ein Teil meiner alten Freunde hat sich für die Kriminalität und Dealen entschieden. Ich hingegen mochte es schon immer, mich künstlerisch zu betätigen. Musik ist meine große Leidenschaft, und ich bin froh, mich dafür entschieden zu haben. Nicht ohne Grund habe ich die Schule bereits in der neunten Klasse verlassen. Damals hatte ich die Nase voll und wusste längst, dass ich für den Rest meines Lebens Musik machen will. Ich bin also ein schlechtes Vorbild, schließlich sollte man die Schule nicht einfach hinschmeißen.
Vielen Dank für das Gespräch!

Soulfly sind am 11. Juli im Beatpol zu erleben. Mehr zur Band: www.soulfly.com/

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