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DRESDNER Interviews / O-ton!
Mehr »SpielRaum« für die Lesemesse – Programmplaner Willi Hetze über die Entwicklung der Schriftgut
Programmplaner Willi Hetze über die Entwicklung der Schriftgut
■ In diesem Jahr öffnet sie zum vierten Mal Tore und Buchdeckel für Lesefans: Die Schriftgut, inzwischen etablierte Institution und längst über den Status der Eintagsfliege hinaus. Doch es gibt immer Entwicklungspotential. DRESDNER-Autorin Josefine Gottwald fragte Willi Hetze, Programm-Manager und selbst Autor, nach Plänen und Veränderungen.

Das diesjährige Lesungsprogramm ist arg zusammengeschrumpft – wie kam es dazu?

Willi Hetze: Die Veranstaltungen sind nach wie vor das Herzstück der Messe, aber sie haben es auch manchmal schwer. Als Programm-Manager und Autor würde ich mir immer noch mehr Lesungen wünschen, aber die Leute kommen eher wegen des Mitmachprogramms – vielleicht auch für den PoetrySlam –, doch sonst sehen sie sich Lesungen mehr am Rande an. Wir haben deshalb beschlossen, dieses Jahr die räumliche Aufteilung ganz neu zu gestalten.

Also muss die Messe ohne den Charme der Börse auskommen?

Willi Hetze: Um die Publikumsströme besser zu den Veranstaltungen zu führen, wollen wir alles gebündelt in Halle 3 präsentieren, die dann etwas größer ist als in den letzten Jahren. Wir haben mit der Unterstützung von Bühnenbild-Studenten drei ganz unterschiedliche Bühnen entworfen, auf denen Lesungen durchgeführt und Verlagsprogramme vorgestellt werden. Dazu gehören eine märchenhafte Kinder- und Jugendbühne ebenso wie ein Amphitheater, wo man auch Workshops und Podiumsdiskussionen findet.

Die Kooperation mit der Spielzeugmesse »SpielRaum« schien im letzten Jahr sehr erfolgreich. Muss die Schriftgut sich mehr für allgemeines Publikum öffnen?

Willi Hetze: Die Entwicklung geht in verschiedene Richtungen. Literarische Themen sind nur für ein bestimmtes Publikum interessant, aber eine Messe, die sich etablieren will, braucht auch Bandbreite. Daher wollen wir beispielsweise auch Unterhaltungsliteratur einbeziehen, um die Vorlieben der Besucher mehr zu berücksichtigen. Außerdem geraten neue Medien immer stärker in den Fokus, wie Ebooks und das Internet. Ganz neu haben wir zum Beispiel eine Kooperation mit Wikipedia angestrengt; es gibt eine Diskussion zum Thema »Brockhaus gegen Laptop« oder Workshops über das Zitieren und Schreibsoftware. Erstmals heißt die Schriftgut nicht mehr Literaturmesse, sondern Lesemesse.

Also ein ergänzendes Unterhaltungsprogramm?

Willi Hetze: Als Literat kann man das ein wenig skeptisch sehen, aber man muss auch berücksichtigen, was die Praxis erfordert. Trotzdem haben wir auch wieder die Verleihung des »Weißen Raben« von der Literaturzeitschrift Signum, sowie einige musikalische Beiträge im Programm und sind auch sehr stolz, den aktuellen Stadtschreiber Michael Wildenhain gewonnen zu haben, der für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert war.

Und so hebt sich die Schriftgut von anderen Buchmessen ab?

Willi Hetze: Einen hohen Stellenwert hat nach wie vor der Erlebnischarakter. Das Kulturgut Buch kann mit allen Aspekten erfahren werden: Von der handwerklichen Herstellung, über die Hintergründe in Verlagen, bis zum »Autor zum Anfassen«, der in den Köpfen vieler immer noch der einzige Beteiligte am Buch ist. Aber eigentlich ist da viel mehr, und wir wollen das erlebbar machen.
Danke, wir sind gespannt!

Die 4. Schriftgut findet vom 6. bis 8. November gemeinsam mit der Spielemesse auf dem Messegelände statt. Weitere Infos unter www.messe-dresden.de

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