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DRESDNER Interviews / O-ton!
Liebeslieder für den Wald – Hofnung 3000 The Fuck Hornisschen Orchestra legt die erste Studio-CD vor
Hofnung 3000  The Fuck Hornisschen Orchestra legt die erste Studio-CD vor
■ Wenn das scheinbar Unvollkommene zum Programm wird, hat man es mit der lustigen Zweimann-Kapelle »The Fuck Hornisschen Orchestra« zu tun. Die Leipziger Christian Mayer und Julius Fischer sind die neuen Stars am Kleinkunstbühnen- und Kabaretthimmel. DRESDNERAutorin Adina Schütze sprach mit ihnen über aktuelle Projekte.

TFHO ist weder klassisches Kabarett noch Comedy. Wer seid ihr und warum können wir ohne euch nicht mehr leben?

Christian: Wir machen Musik mit humoristischem Ansatz, das ist nicht neu. Ich erinnere nur an »Die Doofen«, »Flight of the Conchords« oder »Tenacious D.« Klar entwickelt man seinen eigenen Style und das ist bei uns vielleicht unser Hang zu Krimskrams und Kinderspielzeuginstrumenten.
Julius: Wenn es uns nicht gäbe, würde niemand auf der Bühne den Leuten ihre eigenen Abgründe vorleben. Mit anderen Worten: Wir kaspern rum, damit das das Publikum nicht mehr machen muss. Sonst würde das ja keiner machen.

Ihr habt eure erste Studio-CD nur mit Songs vorgelegt. Kann das funktionieren? Denn lebt ihr nicht von der Bühnenshow und dem Live-Agieren vor Publikum?

Christian: Wenn wir auftreten, lenkt das ganze Chaos, Tanzen und Blödeln manchmal sogar von den eigentlich Songs ab. Das ist mehr oder weniger unterhaltsam, führt aber vielleicht dazu, dass das Publikum denkt, wir machen nur Quatsch und können nichts. Mit dem Studioalbum wollen wir beweisen, dass wir Lust auf Musikalität, gutes Songwriting und verschiedene Stile und Instrumente haben. Die Leute sollen sagen: »Die hams drauf!« Wir wollen Respekt und mit jedem Lied auf der CD überraschen. Wir dachten, dass wir Hits wie »W-A-L-D« oder »Bahndammbrandmann« nicht mehr toppen können, aber was war, war alles Mist im Gegensatz zum neuen Album.
Julius: Zuerst hatten wir ein Live-Album, da haben sich die Leute aufgeregt, dass man uns nicht sehen kann. Deshalb haben wir ne DVD gemacht, da haben sich die Leute aufgeregt, dass man die nicht mit dem CD-Player abspielen kann. Da haben wir uns aufgeregt und gedacht, wir machen ein Studioalbum, das gut ist, gerade weil man uns nicht sieht. Wir haben es auch komplett nackt eingespielt.

Wenn man euch live erlebt, hat man das Gefühl, dass sehr vieles spontan passiert. Wie viel von eurer Show ist improvisiert?

Christian: Ohne die Spontanität und Improvisation könnte ich mir eine Show überhaupt nicht vorstellen, weil sie dann tot wäre. Eine Show wird erst lebendig durch den Moment und die Leute und deshalb ist alles, außer den Liedern (und die zum Teil auch), spontan. Natürlich manifestiert sich manchmal ein Spruch, der gut ankommt. Den macht man dann vielleicht öfter, aber wir lernen nichts auswendig und meistens vergessen wir nach der Show sofort, was wir so erzählt haben, das ist sicher auch gut so.

Ist Euch irgendetwas peinlich?

Christian: Mit der gehörigen Portion Selbstironie ist einem wenig peinlich. Peinlichkeiten entstehen nur, wenn man nicht über sich selbst lachen kann. Wenn einen Leute auslachen, weil einem zum Beispiel sein iPhone am Ohr anfängt zu brennen, muss man mitlachen und es ist nicht mehr peinlich. Aber ich bin prüde, ich würde mich ungern ausziehen auf der Bühne, aber ich arbeite dran. In unserem Musikvideo zu »Teenager« bin ich sogar für zwei Sekunden in Boxershorts zu sehen. Das war ein erster Schritt, dass mir irgendwann nichts mehr peinlich ist.
Julius: In der Show können ständig peinliche Dinge passieren. Wir gehen davon aus und damit um. Wenn ein Witz nicht funktioniert, wird das kommentiert. Wenn Jemand reinblökt, um uns bloßzustellen, wird er gedisst oder gebeten, auf die Bühne zu kommen. Selbst wenn wir einen ofenen Hosenstall hätten oder uns ein Popel am Revers kleben würde, würde das mit zur Show gehören
Danke für das Interview!

The Fuck Hornisschen Orchestra ist am 27. September in der Schauburg zu erleben

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