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»Ich bin nicht cool« – Drangsal im Interview (Foto: Jacqueline Bouvier)
Drangsal im Interview (Foto: Jacqueline Bouvier)
■ Und plötzlich ist Pop wieder der heiße Scheiß. Als Drangsal im Frühling diesen Jahres sein Debüt »Harieschaim« veröffentlicht, ist schnell klar, dass hier einer kommt, um zu bleiben. Kantig, deutlich und unverschämt präsentiert sich der Neuling, mit Gefühl für die bessere Seite der Achtziger gelingt ihm der große Wurf. Völlig zu Recht findet DRESDNER-Autor Matthias Hufnagl und trifft sich mit Drangsal alias Max Gruber zum Schnack auf einem zerschlissenen Ledersofa in Berlin-Friedrichshain.

Du kommst aus Herxheim. Ist das Aufwachsen in der Provinz ein guter Nährboden für Musiknerds?

Drangsal: Wenn man irgendwas gefunden hat, an dem man sich wie eine Zecke festsaugen kann, was dann den ganzen fehlenden Lebensinhalt auflöst, dann ist das schon geil. Vor allem wenn es etwas ist, das niemandem weh tut.

Kannst du dich noch an das erste Video erinnern, welches du auf YouTube angeklickt hast?

Drangsal: Der erste Song, den ich gesucht hab, war »Stop me if you think you've heard this one before« von The Smiths.

Ab wann merkt man als junger Künstler, dass man sich vom Zitat weg bewegt und etwas Eigenes kreiert?

Drangsal: Ich glaube ab dem Moment, wo man Aufnahme drückt und keinen Song mehr covert, sondern versucht, daraus etwas Eigenes zu machen. Man merkt, es entsteht etwas, das man so noch nicht gehört hat zwar referenziell genug, um mit dem Finger noch deutlich irgendwo hinzuzeigen, aber auch alleinstehend gut.

Wie sehr nerven Vergleiche?

Drangsal: Gar nicht. Vergleiche sind so das einzige, was mich nicht nervt.

Der bislang schönste Vergleich?

Drangsal: Midge Ure von Ultravox hat gesagt, ich sei sein musikalischer Enkel. Ich bin jetzt kein riesen Ultravox Fan, aber sowas von jemandem mit so einer Karriere ist doch irgendwie ein Kompliment.

Macht es dir etwas aus, wenn man dich für arrogant hält?

Drangsal: Das ist schon irgendwie Okay. Sobald man auf einer Bühne steht, denken die Leute allgemein, dass man total arrogant ist, weil man es eben geschafft hat, auf einer Bühne zu stehen. Dabei kann sich jeder auf eine Bühne stellen und irgendwas machen. Ich glaube, ein gewisses Maß an Arroganz gehört mit Sicherheit dazu, um das überhaupt zu machen sich zu schminken, auf eine Bühne zu stellen und herumzutanzen. Auf der anderen Seite würde ich aber immer sagen, dass ich ziemlich uncool bin. Ich glaube, man kann nur arrogant sein, wenn man wirklich cool ist und ich bin nicht cool.

Fans und Kritiker feiern dich auch dafür, dass du Klartext redest und Reibung erzeugst?

Drangsal: Ich hoffe es, aber ich glaube, das ist ein schmaler Grat. Es gibt auch viele Leute die denken, was für ein Quacksalber man ist, viele die sagen, man ist halt nur da wo man ist, weil man die Fresse so weit aufmacht.

Ein schmaler Grat ganz nach oben zu kommen, oder irgendwann allein zu sein?

Drangsal: Oder allein nach oben und mit ganz vielen wieder runter.

Hast du dich schon mal an den dunkelsten Ort deiner Seele gewagt?

Drangsal: Ich glaube, der dunkelste Ort ist all das, worüber ich singe. Die Sachen, die man nicht aussprechen darf, haben mich am Künstlerdasein schon immer fasziniert. Man darf Leute an seinen dunkelsten Ort einladen, ohne dass man dafür irgendwelche Repressalien zu befürchten hat. Wenn man so jemandem den Tod wünscht, dann denken alle, man hat einen an der Klatsche. Wenn man auf der Bühne davon singt, gibt es Applaus.

Eine Hintertür?

Drangsal: Voll.
Besten Dank für das Interview!

Drangsal ist am 18. November mit Doomhound als Support in der Groove Station zu erleben; www.facebook.com/frucadeodereierlikoer/ bzw. http://soundcloud.com/diedrangsal

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