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DRESDNER Interviews / O-ton!
»Farbe ist überflüssig« – Ein Gespräch mit dem Marion-Ermer-Preisträger Andrey Klassen
Ein Gespräch mit dem Marion-Ermer-Preisträger Andrey Klassen
■ Andrey Klassen malt monochrome Bilder, nur mit schwarzer Tusche. Sie prägen sich tief ins Gedächtnis ein, diese fremd-vertrauten Welten mit ihren seltsam präzisen Schattengestalten. Alles ist voller Nacht, Traum und Chimären. Klassen gehört zu den diesjährigen Preisträgern des Marion-Ermer-Preises, der am 3. Dezember an der Hochschule für Bildende Künste verliehen wird. In der zugehörigen Ausstellung wird sein Tryptichon »Gärtner« zu sehen sein. Daneben zeigt die Städtische Galerie Dresden seinen Bilderzyklus »Die Sieben Todsünden«. Der Künstler im Gespräch mit DRESDNER-Autorin Annett Groh.

Die sieben Todsünden sind ein klassisches Thema in der Kunst, aber spielen sie für uns heute überhaupt eine Rolle?

Andrey Klassen: Eine Auseinandersetzung mit den eigenen Schwächen ist zeitlos. Die Sünden haben sich verändert, sind zu Leidenschaften geworden. Gern viel zu essen oder herumzuvögeln betrachten wir als Akt der Freiheit und Verfügbarkeit über das eigene Dasein. Auch Zorn kann eine Leidenschaft sein – politischer Extremismus, zorniger Geschäftssinn, Ehrgeiz …

Wie bist du an das Thema herangegangen?

Andrey Klassen: Ich wollte das, was vor mehr als tausend Jahren schon feststand, in mir selbst finden und auf Papier bringen. Das erste Bild war der Zorn: eine Metamorphose – die Hunde, die sich gegenseitig auffressen und zu einer explodierenden Form werden. Ich hatte ein Gespräch mit einem Freund, der sich mit diesem Gefühl gut auskennt. In mir selbst konnte ich nur ganz wenig Zorn und Hass finden. Geiz war auch schwer. Der Rest war kein Problem.

Du arbeitest mit einer speziellen Technik. Seit wann malst du nur mit schwarz?

Andrey Klassen: Seit sieben oder acht Jahren. Ich fand die Farbe überflüssig und malte zuerst monochrom mit Öl und Acryl, dann mit Tusche. Denn: die Farbe ist da, sie entsteht im Kopf. Wie bei Träumen. Ich habe keine Erinnerung an Farben, wenn ich mich an meine Träume erinnere. Vielleicht ist es bei allen so – man malt die Träume einfach für sich selbst aus, weil man gewohnt ist, die Welt bunt zu sehen. Das, was tatsächlich da ist, ist diese Atmosphäre. Das Geschehnis. Das Erlebnis im Traum.

Würdest du deine Bilder als innere Welten bezeichnen?

Andrey Klassen: Ja und nein. Es ist nicht so, dass ich Träume oder meine inneren Welten illustriere, doch ich arbeite oft mit ihnen. Das, was tatsächlich zwischen meiner Kunst und mir passiert, ist etwas Intimes. Ich glaube an eine ungreifbare Ebene, die da entsteht. Die uns alle miteinander verbindet. Vielleicht eine Parallelwelt. Ob man es will oder nicht: man ist Filter für alles, was einem begegnet. Persönliche Erlebnisse und politische Schwärze, das alles ist ja real und es ist Teil meiner Arbeit. Obwohl ich oft ein Problem mit »politischer Kunst« habe. Manche Künstler profitieren in ihrer Arbeit vom Leid dieser Welt, ohne selbst etwas erlebt zu haben. Sie füllen ihre eigene Leere mit fremden Thesen. Ich denke, das ist kein guter Ton; oft wirkt es belehrend und langweilig.

In vielen deiner Bilder spielt Magie eine Rolle!?

Andrey Klassen: Ich komme ursprünglich aus einem Dorf in der Nähe von Irkutsk, und da geht man immer noch zu Hexen, Schamanen und Wahrsagern. Das ist total normal, nichts Außergewöhnliches und so bin ich großgeworden. Das hat mich natürlich beeinflusst.
Vielen Dank für das Gespräch.

»Die Sieben Todsünden«, bis zum 24. Januar, Städtische Galerie; Preisträgerausstellung des Marion-Ermer-Preises 2015, 4. Dezember bis 14. Februar, Hochschule für Bildende Künste.

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