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DRESDNER Interviews / O-ton!
Experimentierfeld Ton und Bild – B|Shop – neuer Kunstraum auf dem Bischofsweg
B|Shop – neuer Kunstraum auf dem Bischofsweg
■ Manchmal geschehen noch Zeichen und Wunder. Eines davon ereignete sich kurz vor dem gentrifizierungsbedingten Ableben des Kunstortes Adam Ziege auf der Louisenstraße. Es war eine der letzten Veranstaltungen, da betrat ein Paar den Ort des Geschehens, er etwas älter, sie deutlich jünger. Sie brachten ihr Wohlwollen gegenüber der Kunst im Allgemeinen und in Bezug auf Adam Ziege im Besonderen zum Ausdruck und ihr Bedauern über das Ende des Offspace. Der Herr hätte das Haus ja selber kaufen wollen, nur leider sei daraus nichts geworden. Allerdings hatte er einige Zeit zuvor ein anderes Haus auf dem Bischofsweg erworben, und im Hochparterre waren gerade Räume frei. Man fand sich sympathisch und einige der Adam-Ziege-Protagonisten beschlossen, einen neuen gemeinsamen Versuch zu wagen. »B|Shop – Raum für Ton und Bild« heißt das neue Projekt, getragen und weitgehend finanziert wird es von Stefanie Köhler, Falk Zakrzewski, Anna Limburg, Marko Storch (im Bild v.l.n.r.) und Frank Siehles – mietfrei stellt der »Mäzen« die Räume natürlich auch nicht zur Verfügung. Alle fünf sind keine ausgebildeten Künstler oder Kunstwissenschaftler, sondern Maschinenbauer, Biologen und Geisteswissenschaftler. Was sie antreibt, haben einige von ihnen DRESDNER-Redakteur André Hennig erzählt.

Was bedeutet »Raum für Ton und Bild«? Bisher habe ich hier Installationen mit akustischen Aspekten erlebt, das ist an sich aber nicht so ungewöhnlich?

Stefanie: Unser Ziel ist es, Leute zusammenzubringen, die sich nicht unbedingt kennen und die sich auf eine Projektphase einlassen, wobei der eine in der Bildenden Kunst unterwegs ist und der andere aus der musikalischen Richtung kommt. Idealerweise sollten die beiden in einer gemeinsamen Vorbereitungsphase auf die jeweilige Ausstellung hinarbeiten. Das könnte sich noch besser gestalten, aber wir denken, dass das für Künstler sehr reizvoll sein kann, wenn sie sich nicht kennen und sich aufeinander einlassen müssen. Wer sich in Bezug auf dieses Konzept angesprochen fühlt, kann sich gerne melden! Es sollten aber schon beide Komponenten relativ gleichwertig sein, wir wollen keine Vernissagenmusik, sondern die Musik sollte sich auf die Kunst beziehen und umgekehrt.
Anna: Dieses Konzept ist momentan auch noch eine Art Experimentierfeld und es wird sich hoffentlich in den kommenden Monaten noch weiter formen und konkretisieren.

Bei Adam Ziege konnte praktisch jeder ausstellen, der wollte. Wird das so bleiben oder wollt ihr stärker aussieben?

Stefanie: Es soll weiterhin ein Ort sein, wo sich Leute ohne Hemmschwelle hintrauen, erste Erfahrungen sammeln und sich ausprobieren. Das ist auch für uns spannender als eine Ausstellung, die jemand nur als Referenz braucht.
Falk: Ein Kriterium ist aber auf jeden Fall der tonale Aspekt, der dabei sein sollte. Wir schauen uns schon an, was die Bewerber vorher gemacht haben und beurteilen gemeinsam, ob das jetzt geeignet ist.
Stefanie: Die qualitative Beurteilung ist natürlich sehr subjektiv. Wir sind alle keine geborenen Kuratoren und in der Richtung auch nicht ausgebildet. Für mich ist das auch ein Experimentierfeld, auf dem man erstmal ein gewisses Selbstvertrauen entwickeln muss. Die formalen und qualitativen Kriterien bilden sich ja erst im Tun heraus und wir lernen selbst unheimlich viel dabei. Auch von den Ausstellern – es ist schon ein Unterschied, ob jemand im vierten Jahr studiert oder das zum ersten Mal macht. Sicher sind wir, mit dem was wir hier bieten können, auch nicht für jeden geeignet. Wir bieten nicht die perfekte Professionalität und den White Cube, dafür eine Art von Offenheit, die in ein gegenseitiges Vertrauen zueinander und zu diesem Ort mündet. Das ist, glaube ich, in diesen Räumen sehr gut möglich. Man kann mit dem Raum arbeiten, muss es aber nicht.
Vielen Dank für das Gespräch!

Die Macher der bisherigen Ausstellungen haben explizit mit den Räumen gearbeitet. Auf recht poetische Interventionen von Tina Rank und Anne Lange folgte im November eine eher martialische Arbeit zum Syrienkonflikt von Manaf Halbouni, Ramzi Krüger und Daniel Grams. Im Januar wird es bei »MI-X« hingegen malerisch – mit der Übersetzung von Farben in Töne von Ludwig Flohe, Marie Athenstaedt und Felix Krüger. Bleibt zu hoffen, dass die Sanierung des Hauses auf dem Bischofsweg noch ein wenig auf sich warten lässt, denn danach wäre es wohl auch hier wieder vorbei mit der ungewöhnlichen Kunstoase. Immerhin haben die Betreiber erst mal einen unbefristeten Mietvertrag. Nichtsdestotrotz überlegt man schon einmal, wo die fernere Zukunft des B|Shop auch stattfinden könnte – zum Beispiel im entstehenden Zentralwerk. »MI-X«, B|Shop, Bischofsweg 13a, Eröffnung 10. Januar ab 19 Uhr, weitere Öffnungszeiten unter www.bishop.artmovement.org

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