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Entzauberung eines australischen Mythos – Russel Crowe im Interview zu seinem Regiedebüt »Das Versprechen eines Lebens«
Russel Crowe im Interview zu seinem Regiedebüt »Das Versprechen eines Lebens«
■ 30.000 Freiwillige aus Australien und Neuseeland zogen im Ersten Weltkrieg für das British Commonwealth of Nations in der Schlacht von Gallipoli gegen das Osmanische Reich in einen Kampf, der 60.000 Türken das Leben kostete. »Das Versprechen eines Lebens« soll die damaligen Zusammenhänge nun in ein neues Licht rücken. In dem australisch-türkischen Historiendrama ist Russell Crowe Regisseur und zugleich Hauptdarsteller. DRESDNER-Autor Martin Schwickert hat sich mit dem »Gladiator«-Star über den Sprung ins Regiefach unterhalten und bekam eine Lektion in australischer Geschichte.

Mr. Crowe, dies ist Ihr Debüt als Regisseur. Wie sind Sie mit Ihrer neuen Rolle hinter der Kamera zurecht gekommen?

Russel Crowe: Alle erwarten, dass man von seiner ersten Regiearbeit hundert Horrorstorys zu erzählen hat. Aber eigentlich ist mir der Wechsel vom Schauspiel- ins Regiefach nicht schwer gefallen. Über die Jahre habe ich ja einige Erfahrungen am Set gesammelt. Auch als Schauspieler habe ich immer darauf geachtet, wo ich mich in der Geschichte befinde, wo die Kamera steht oder welches Objektiv gerade verwendet wird. Der Sprung, dann selbst eine Szene Einstellung für Einstellung zu planen, war da gar nicht so groß. Mir hat die Arbeit als Regisseur mit all der Verantwortung sehr viel Spaß gemacht. Und das Beste war, dass ich an manchen Tagen einfach in Jeans und T-Shirt zum Set gehen konnte, ohne vorher Stunden in der Maske und der Kostümabteilung verbringen zu müssen.

Wann haben Sie als Schauspieler angefangen Ihre Regisseure auszuspionieren?

Russel Crowe: Eigentlich schon seit ich mit sechs Jahren zum ersten Mal vor der Kamera stand. Die technischen Aspekte am Film haben mich immer interessiert. Und dann habe ich ja auch mit sehr erfahrenen Regisseuren wie Ridley Scott oder Ron Howard gearbeitet. Da kann man schon einiges lernen – vor allem, was die Effizienz beim Drehen angeht.

»Das Versprechen meines Lebens« setzt sich mit den Folgen der Schlacht von Gallipoli im Ersten Weltkrieg auseinander. Welche Bedeutung hat diese Schlacht in der australischen Geschichtsschreibung?

Russel Crowe: Die Erinnerung an diese Schlacht ist in unserer Kultur tief verankert, weil dies das erste Mal war, dass Australier und Neuseeländer unter ihrer eigenen Flagge gekämpft haben und nicht als Anhängsel des britischen Imperiums. Zum sogenannten ANZAC-Day am 25.April stehen wir jedes Jahr bei Sonnenaufgang auf, um den Gefallenen zu gedenken. In meinem Land glauben die Leute alles über Gallipoli zu wissen, aber ich wollte mit dem Film eine neue Perspektive auf die Ereignisse einnehmen und auch einen Blick auf die andere Seite werfen.

Macht man sich damit in Australien beliebt?

Russel Crowe: Es ist riskant, aber ich finde nach 100 Jahren ist es an der der Zeit, dass man in meinem Land diesen Konflikt neu bewertet. Als ich das Drehbuch zum ersten Mal las, wurde mir klar, dass wir in Australien in all unserer Trauer- und Gedenkarbeit nie darüber nachgedacht haben, wie es der anderen Seite ergangen ist. Mehr als 10.000 australische und neuseeländische Soldaten, die sich freiwillig zur Front gemeldet hatten, sind in Gallipoli gefallen. Auf türkischer Seite waren es fast 60.000. In der Türkei wurden 15-jährige Schüler nachmittags aus der Schule abgeholt und direkt an die Front gebracht, weil der osmanischen Armee die Soldaten ausgingen und das Land vor einer Invasion stand. In Australien denkt kaum einer darüber nach, dass wir damals in ein Land einmarschiert sind, das uns nie etwas getan hatte.

In Europa sind die Menschen anfangs mit großem Enthusiasmus in den Krieg gezogen, was uns heute sehr befremdlich vorkommt. War das in Australien – weit weg von den eigentlichen Ereignissen – genauso?

Russel Crowe: Als die Briten Freiwillige suchten, wurde es in Australien zu einer richtigen sozialen Bewegung sich für den Kriegsdienst zu melden. Den jungen Männern wurde der Krieg als großes Abenteuer verkauft. Diese Jungs lebten im Hinterland oder in irgendeinem kleinen Dorf und freuten sich darauf in die weite Welt zu reisen: »Erste Station Ägypten! Besuchen Sie die Pyramiden.« Gallipoli wurde in unserem Land vor allem auch aus großen Schuldgefühlen heraus zum Mythos hochstilisiert. Was haben wir unseren Kindern angetan? Dabei geht es nicht nur darum, dass so viele gestorben sind, sondern auch die Art und Weise, wie die jungen Soldaten verheizt wurden, die zum Beispiel unter Maschinengewehrfeuer ein steiles Kliff hochklettern mussten. Tausende junge, abenteuerlustige Männer haben ihr Leben in einer sinnlosen Militäraktion verschwendet.
Vielen Dank für das Gespräch!

»Das Versprechen eines Lebens«, Australien/Türkei/USA 2014, Regie: Russell Crowe, mit: Jai Courtney, Russell Crowe, Olga Kurylenko, ab 7. Mai im Ufa-Palast. Trailer & Kritik unter www.kino.de/kinofilm/das-versprechen-eines-lebens/155440

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