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DRESDNER Interviews / O-ton!
»Einen Teil der Magie einfangen« – Ein Interview zur neuen Ausstellung im Hygiene-Museum »Tanz. Wie wir uns und die Welt bewegen«
Ein Interview zur neuen Ausstellung im Hygiene-Museum »Tanz. Wie wir uns und die Welt bewegen«
■ Das Deutsche Hygiene-Museum versteht sich als »Museum vom Menschen«. Es widmet sich unter anderem den Ausdrucksformen der menschlichen Kultur. Vor diesem Hintergrund erscheint es schlüssig, dass sich die nächste große Ausstellung unter dem Titel »Tanz! Wie wir uns und die Welt bewegen« dieser Form widmet, die zu den ältesten Kulturpraktiken der Menschen gehört. Kuratorin Colleen M. Schmitz und die wissenschaftliche Mitarbeiterin Barbara Lubich streben allerdings keine historische Betrachtung an, sondern beleuchten die ästhetischen, gesellschaftlichen und politischen Dimensionen des Tanzes. DRESDNER-Autor Eric Vogel bat sie anlässlich der Eröffnung im Oktober zum Gespräch. (Foto: Eric Vogel)

Wie stellt man die flüchtige Kunstform Tanz, die immer an den Moment der Aufführung gebunden scheint, in einer Ausstellung dar?

Colleen M. Schmitz: Der erlebte Moment, der für den Tanz zentral ist, lässt sich natürlich nicht einfach einfangen und konservieren. Es ist auch nicht unser Ziel, zu suggerieren, dass wir das in der Ausstellung könnten. Allerdings bleiben Spuren und Artefakte zurück, anhand derer man Tanz erfahren kann. Darüber hinaus ermöglichen uns die neuen Medien wie Videoaufzeichnungen, zumindest einen Teil der Magie einzufangen.
Barbara Lubich: Uns war es wichtig, neben dem wissenschaftlichen Zugang, der zeigt, wie der tanzende Mensch Kultur und Gesellschaft spiegelt und sie zugleich formt, auch einen konkret tänzerischen Zugang zu ermöglichen und beide gleichberechtigt zu behandeln. Indem wir uns einerseits des eher distanzierten Blicks des Forschers bedienen, andererseits aber dem Besucher ermöglichen, mit der Ausstellung zu interagieren, möchten wir Fragestellungen aus dem Tanz herausschälen. Dadurch können wir seine unmittelbare Wirkung auf den Menschen erkunden.

Was erwartet den Besucher, wenn er das Museum betritt?

Colleen M. Schmitz: Wir verfolgen in der Ausstellung einen performativen Ansatz, bei dem der Besucher durch Interaktivität eingebunden wird. Auf spielerische Art wollen wir ihm so seine eigenen Bewegungen bewusst machen und seine Wahrnehmung für die tänzerischen Elemente im Alltag schärfen. Neben den eher klassischen Exponaten zeigen wir interaktive und multimediale Installationen, welche die Besucher unmittelbar einbeziehen. So können zum Beispiel an einer Stelle mittels Bewegungen Klänge erschaffen werden. Andernorts findet sich eine Licht-Klang Installation, bei der die Besucher Töne verändern können, indem sie die Lichtstrahlen berühren.

Auf welche Art interagiert die Ausstellung mit der Dresdner Tanzszene?

Colleen M. Schmitz: Wir realisieren die Ausstellung gemeinsam mit unseren Dresdner Projektpartnern, der Forsythe Company, dem Zentrum der Künste in Hellerau, der Palucca-Hochschule und der Semperoper, die jeweils ihre Ausprägung von Tanz im Begleitprogramm präsentieren. So feiert etwa die Palucca-Hochschule die Eröffnung der »Biennale Tanzausbildung« im Frühjahr 2014 im Hygiene-Museum. Darüber hinaus arbeiten wir mit vielen kleineren Gruppen und Initiativen aus der Freien Szene zusammen und bieten ihnen eine Bühne. Wir haben unter anderem die Breakdance-Gruppe »Beat Fanatics« eingeladen, bei uns ein Tanz-Battle zu veranstalten.
Vielen Dank für das Gespräch!

»Tanz! Wie wir uns und die Welt bewegen.«, vom 12. Oktober 2013 bis 20. Juli 2014 im Hygiene-Musuem. Eröffnungsparty am 11. Oktober ab 23 Uhr. Weitere Infos unter www.dhmd.de

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