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DRESDNER Interviews / O-ton!
»Die lebendigste Kunstform unserer Zeit« – Im Gespräch mit dem »Magic City«-Designer Tobias Kunz (Foto: Frank Embacher)
Im Gespräch mit dem »Magic City«-Designer Tobias Kunz (Foto: Frank Embacher)
■ Die Bewohner der Neustadt schauten sicher nicht schlecht, als im letzten Monat der Künstler Leon Keer eine dreidimensional erscheinende Flüchtlingsfamilie auf den Scheunvorplatz malte – als Wilkommensgruß, aber auch um die Werbetrommel für die »Magic City« zu rühren. Die Wanderausstellung über »Die Kunst der Straße« mit ihm und vielen anderen Street Artists feiert am 1. Oktober in der Zeitenströmung ihre Weltpremiere. DRESDNER-Autor Martin Krönert sprach mit dem Ausstellungsarchitekten Tobias Kunz über das Konzept und den Bezug zu Dresden.

Herr Kunz, was genau ist »Magic City«?

Tobias Kunz: Für mich ist es eine Ausstellung, bei der sich die ganze Welt der Straßenkunstszene in einer dafür errichteten Stadt auf 2500 m² verdichtet. In über fünf Meter hohen Häusern, auf Straßen, Plätzen, in Arkaden, an Ampeln und allem anderen, was man so in einer Stadt findet. Wir haben ein eigenes Kino, Shops und auch einen original US-Streamliner-Bus als Café umgebaut. Das Ganze ist noch zu Beginn komplett weiß gestrichen worden und wird jetzt gerade von über 40 der weltweit bekanntesten Street-Art-Künstler angemalt, besprüht, bearbeitet oder in anderer Form in Besitz genommen.

Es scheint, Street Art ist derzeit besonders angesagt. Wie ist es zu der Verbindung gekommen, diese Freiluftkunst in eine große Halle wie die Zeitenströmung zu bringen?

Tobias Kunz: Die Idee hatten mein Designer-Kollege Rainer Verbizh, Kurator Carlo McCormick und Christoph Scholz von Semmel Concert Exhibitions (SC Exhibitions). Street Art ist seit Jahren allgegenwärtig. Fast jeder kennt Künstler wie Banksy oder läuft, wie ich als Berliner, täglich an Häuserwänden vorbei, die Leute wie ROA großflächig bemalt haben. Auch die Medien berichten immer mehr über Street Art, weil etwa Künstler wie Olek einen Panzer umhäkeln. Es ist einfach die lebendigste Kunstform unserer Zeit. Wir wollten daher Street Art in seiner ganzen Vielfalt an einen Ort bringen. Mit Graffitis, Stencils und Postern, anamorpher, also dreidimensionaler Kunst, Multimedia-Installationen oder noch kreativeren Formen, die schon Spaß bringen sollen, aber immer öfter auch ein politisches Statement sind. Dadurch ist das weltweit einzigartige Konzept entstanden, die Kunst dahin zu bringen, wo sie her kommt – in eine Stadt.

Was unterscheidet die »Magic City« von einer Street-Art-Ausstellung, wie man sie immer häufiger in Großstädten findet?

Tobias Kunz: Wir wollten uns ganz klar von einer klassischen Galerie abgrenzen. Deswegen ist alles offen gestaltet. Es wird zwar einen Hauptweg geben, doch wir haben bewusst auf eine Wegeführung verzichtet. Jeder Bereich kann und muss also individuell erkundet werden, wenn man alle Künstler besuchen will. Dafür bekommt der Besucher zu Beginn eine City-Map, in der alle Areale der 40 Künstler eingezeichnet sind. Wir möchten mit der »Magic City« auch Leute ansprechen, die sich sonst in Kunstausstellungen verloren fühlen, weil ihnen vielleicht die Brücke fehlt zum Thema. Es wird daher Info-Texte geben, anhand derer man die vielen Spielarten der Street Art kennenlernen kann. So ist die »Magic City« auch für Nichtkenner, aber ebenso für Familien und Schulklassen interessant.

Warum wolltet ihr mit eurer Wanderausstellung gerade hier in Dresden beginnen und nicht in den deutschen Graffiti-Metropolen Berlin, Hamburg oder München?

Tobias Kunz: Dafür gibt es zwei Gründe: Zunächst hat SC Exhibitions sehr gute Erfahrung mit der Location Zeitenströmung und dem Ort Dresden bei der »Tutenchamun«-Ausstellung gemacht. Außerdem waren wir von Beginn an begeistert von der Jugendkultur hier in der Stadt. Die Street-Art-Szene ist auch gar nicht so klein, wie mancher vielleicht denkt. Das wird auch das »Spike Lab« zeigen, durch das wir uns mit den Dresdner Künstlern direkt vernetzen wollen. Das wird in einem Nebengebäude direkt neben der »Magic City« eingerichtet, wo man Workshops, Lesungen und Vorträge zum Thema Street Art besuchen kann. Außerdem haben wir mit Jens Besser, Andy K und Benuz drei Dresdner Street-Art-Größen in der »Magic City« dabei, die den uns sehr wichtigen regionalen Bezug herstellen werden.
Besten Dank für das Gespräch!

Magic City – Die Kunst der Straße, 1. Oktober 2016 bis 8. Januar 2017 in der Zeitenströmung Dresden; Tickets & mehr Infos unter www.magiccity.de

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