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DRESDNER Interviews / O-ton!
Der Volks-Rapper – Casper und das Castival am Elbufer
Casper und das Castival am Elbufer
■ Er bildet die Speerspitze einer neuen Generation von Sprachakrobaten aus Deutschland. Nach seiner erfolgreichen Solo-Tour zum Album »Hinterland« reist Benjamin Griffey alias Casper nun mit seinem eigenen Freiluftfestival namens »Castival« durch die Republik. Im Schlepptau hat er musikalische Gäste wie Bosse und Wanda. Olaf Neumann traf Casper für DRESDNER Kulturmagazin vorab in Berlin.

Casper, du spielst in diesem Sommer ungewöhnliche Freiluftkonzerte. Was erwartet die Besucher der Castivals?

Casper: Die mit Abstand größten Veranstaltungsorte meiner bisherigen Karriere! Auf einem Festival ist aus produktionstechnischen Gründen selten alles so, wie man es als Künstler gerne hätte. Bei den Castivals kann ich aber alles machen, was ich will. Nämlich die größte, beste und raffinierteste Casper-Show, die es je gegeben hat. Da es keine Tour zu einer Platte ist, spielen wir diesmal eine ganz andere Setlist. Es ist eher eine Best-Of-Show mit vielen alten Sachen und Raritäten. Ich will bezüglich der Effekte nicht allzu viel vorwegnehmen.

Wie unterscheiden sich die Castivals von herkömmlichen Festivals?

Casper: Der maßgebliche Unterschied ist, dass ich endlich auch mal als Headliner spielen darf. Das ist ja auch was wert. Wenn ich auf ein riesiges Festival fahre und dort zuerst die Vorgruppe und dann die Hauptband sehe, habe ich am Ende immer das Gefühl, das kann doch noch nicht alles gewesen sein. Ich finde, man kann drum herum noch viel mehr machen und solch ein Festival viel liebevoller gestalten. Ich denke da an eine Kirmes. Sei es, dass wir da selber rumlaufen, seien es coole Jambalaya-Imbisse oder Los- und Schießbuden, bei denen man Raritäten gewinnen kann. Es geht mir bei den Castivals darum, einfach einen höheren Erlebnisfaktor zu bieten als bei einem regulären Festival, wo es oft sehr unpersönlich zugeht.

Nach welchen Kriterien hast du die musikalischen Gäste ausgewählt?

Casper: Ich habe geile befreundete Bands und Künstler eingeladen. Bosse ist zum Beispiel ein Kumpel, der spitzenmäßige Musik macht. Auch K.I.Z. haben Bock, bei uns zu spielen. Und diese neue Band aus Österreich – Wanda – finde ich super.

Du hast eine stramme Hardcore-Punk-Sozialisation durchlaufen und experimentierst gerne mit anderen Genres. Stehst Du als Performer für einen gewissen Stil, ein gewisses Ethos?

Casper: Bei meinen allerersten Hardcore-Konzerten Anfang der 1990er war es noch Gang und Gebe, dass Band und Publikum sich gegenseitig anrotzten. Super ekelhaft! Joe Strummer fing sich sogar eine Hepatitis ein, nachdem ihm ein Punker in den Mund gerotzt hatte. Das stelle ich mir nicht geil vor: Du bist die ganze Nacht durchgefahren und willst abends auf der Bühne einfach nur abliefern – und dann rotzen dich 400 Leute an! Bei einer Alice-Cooper-Show brachte mal jemand ein lebendiges Huhn mit, welches Cooper zurück ins Publikum warf, wo es dann zerrupft und ihm gar der Kopf abgebissen wurde. Sowas kannst du heute nicht mehr bringen!

Was macht das mit Dir, wenn du solche Geschichten hörst?

Casper: Einerseits denkt man, ich hätte auch gern so einen Mythos und so eine Geschichte, die sich um mich rankt. Aber das muss absurderweise einfach passieren. Ich kann ja jetzt nicht einfach planen, eine Fledermaus auf die Bühne mitzunehmen und ihr dann den Kopf abzubeißen (lacht). Ich kriege oft Fragen gestellt wie: »Was war dein peinlichster Moment auf der Bühne?« Und da gibt es bei mir einfach nichts Großartiges. Vielleicht waren ja auch die Konzertbesucher früher einfach wilder. Die Mythen kommen aus einer Zeit vor Social Media.
Vielen Dank für das Gespräch!

DRESDNER Kulturmagazin präsentiert: Castival, mit Casper, Bosse und Wanda am 4. Juli um 19.30 Uhr zu den Filmnächten am Elbufer; mehr zu Casper und zum Castival: www.casperxo.com/hinterland/

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