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»Das wird ein Soultrip!« – Interview mit Oli P. und Miriam Pielhau zu »Elling« in der Comödie
Interview mit Oli P. und Miriam Pielhau zu »Elling« in der Comödie
■ Die Comödie Dresden legt zu Beginn des Jahres kräftig nach. Nach dem großen Erfolg von »Machos auf Eis« kommt mit »Elling – Zwei gegen den Rest der Welt« nun die nächste prominent besetzte Komödie auf die Bühne im World Trade Center. DRESDNER-Autor Martin Krönert traf die beiden Darsteller Oliver Petszokat (alias Musiker und Moderator Oli P.) und Miriam Pielhau nach ihrer Probe und sprach mit ihnen bei hochgelegten müden Füßen und zwischen vollgepackten Einkaufstüten über die harte Arbeit im Theatergeschäft und das Besondere an »Elling«.

Man kennt euch als Moderatoren, TV-Schauspieler, Musiker und neuerdings auch Schriftsteller aber im Theater sieht man euch eher selten. Warum ist es nun »Elling« in Dresden geworden?

Miriam Pielhau: Also, es ist tatsächlich bei mir schon fünfzehn Jahre her, dass ich Theater gespielt habe. Ich wollte 2010 schon wieder auf eine Bühne, wurde aber glücklicherweise schwanger. Zu »Elling« kam es durch ein paar Telefonate. Ich kannte den Film, las das Buch und dann hab ich sofort laut »Ja!« gejuchzt.
Oli P.: Ich hab einmal Theater gespielt in meinem Leben, das war vor 10 Jahren in Stuttgart. Das hat mir damals so unfassbar Spaß gemacht aber ich hatte nie mehr die Zeit dafür gefunden. Als dann die Comödie angefragt hatte für Elling, was viele Jahr lang mein absoluter Lieblingsfilm war, da war ich sofort begeistert! Also hab ich einfach alle gefragt, die mich bei diesem Abenteuer untersützen müssten. Seitdem häng ich im WTC ab und man sieht mich vor’m Konsum rumlungern (lacht).

Miriam, du spielst ja die Reidun. Eine verlorene Seele, die auf die zwei schrägen Typen - Elling und Kjell trifft. Was macht dieser Charakter für dich aus?

Miriam Pielhau: Ich spiele alle Frauen! Wir erfinden auch gerade extra noch Parts dazu, weil ich nicht von der Bühne runterwill. (lacht) Von Reiduns Biografie erfährt man nicht sonderlich viel aber eine Schwangere, die Zigarette rauchend im Vollrausch auf der Treppe gefunden wird, die muss schon einiges im Leben durchgemacht haben. Sie hatte noch nicht viele Männer und nie wirklich Glück. Aber wenn ein Mensch ohne Liebe auskommen musste bisher, dann wird er wahrscheinlich – wie sie – zu einem traurigen Gemüt.

Oli, du und Christian Kühn, ihr werdet zu zwei Soziophoben. Wie verrückt ist das für dich?

Oli P.: Man kann schon sagen, dass Elling und meine Rolle komplett gestörte Charaktere sind. Beide haben keine soziale Kompetenz, da sie aus dem Heim kommen, nie allein gelebt haben und das Leben nicht kennen. Für die ist alles zu viel. Dann werden sie entlassen und müssen in der großen Stadt allein wohnen. Ihre Ängste kompensieren die beiden nun auf unterschiedliche Weise und finden jeweils eigene Ventile um damit klarzukommen.
Miriam Pielhau: Ich finde es übrigens wunderbar, als Beobachterin zu sehen, wie Christian und Oli diese Phobien mit ihren Ticks und Ausläufern entwickeln. Die beiden schaffen den skandinavischen Übergang auf ganz tolle Art und Weise, wo es ganz berührende Momente geben wird, in denen der Zuschauer in seinem Sessel sitzen und laut seufzt und natürlich ganz viele Szenen, wo herzhaft gelacht werden darf.

Wie habt ihr euch eigentlich auf eure Rollen vorbereitet – Die sind ja doch schon spezieller, vor allem für jemanden, der nicht so oft Theater spielt?

Oli P.: Kjell und Ich, wir belohnen uns beide gern mit Essen (Oli zeigt auf zwei vollgepackte Supermarkt-Tüten). Er ist wie ich ein Genussmensch, nur halt mal 10.000. Ich hatte auch das Hintergrundwissen. Betreutes Wohnen, Integrationsarbeit, das kenne ich alles von meiner Mutter, die in Berlin in einem Johannisstift mit geistig- und körperlich Behinderten arbeitet. Ich glaube, da bringe ich viel mit auf die Bühne, was ich in meiner Rolle dann einsetze. Alles was ich zeigen werde, bin dann ich ohne Maske.
Miriam Pielhau: Bei mir ist das schwierig, weil ich so viele Rollen spiele. Klar kann man sich überlegen: Hat die jetzt eine piepsige oder eine tiefe Stimme, geht die eher schnell oder langsam aber das ist bei mir erst der letzte Schritt, der erste Schritt war, zu überlegen, wie der Charakter sich grad fühlt und wenn ich das Gefühl greifen kann, kommt der Rest eigentlich von selbst.
Oli P.: Theaterarbeit ist halt wirklich so: Du bekommst ein zehntausend Teile Puzzle von einem weißen Himmel und es ist ein langer Weg bis das fertig ist. Und so ist das auch echte Arbeit an einer Rolle, einem Stück, wo man Tag für Tag, Woche für Woche dran sitzt und immer wieder neue Teile findet, wie Pointen oder die richtige Spielweise. Das ist wirklich eine ganz ehrliche Art zu arbeiten.

»Elling« ist ja wirklich vielschichtig. Eine norwegische Komödie, ein anspruchsvolles Behindertendrama aber eben auch eine Liebesgeschichte. Was davon kann der Zuschauer von Regisseurin Swentja Krumscheidt erwarten?

Miriam Pielhau: Ich hab den Eindruck, dass Ellling für die Bühne jetzt ein bisschen so ist, wie ein typisches Road Movie. Ein Roadtrip mit zwei Typen und ihrer Aufgabe. Nur findet es bei uns nicht auf der Straße sondern auf unsere Bühne statt und beschäftigt sich viel mit der Seele – quasi ein Soultrip! Es ist Boulevardtheater aber mit einem ganz cleveren Humor und damit eine Komödie, die sich von vielem, was man so in deutschen Theatern sieht, abhebt. Eben eine schlaue Komödie. Kann man das so sagen?
Oli P.: Auf jeden Fall! Da sind halt keine zwei Türen und ein Doppelgänger. Es fällt keiner um und alle lachen. So ist Elling nicht. Beim ersten mal Lesen dachte ich auch: »Oha, wo sind denn hier die ganzen Pointen und Gags mit Zaunpfahl? Die gibt’s ja hier gar nicht.« Das muss man alles herausarbeiten. Es ist ein besonderes Stück und nichts wird so sein, wie man es von einer Komödie erwartet.
Vielen Dank für das Gespräch!

Oli P. und Miriam Pielhau sind mit Christian Kühn und Tobias Schenke ab 30. Januar in »Elling – Zwei gegen den Rest der Welt« in der Comödie Dresden zu erleben. Die [kritik.nu!] zu »Elling« folgt am 1.Februar.

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