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DRESDNER Interviews / O-ton!
Auf der Suche nach Magie und Geschichten – David Campesino im Gespräch
David Campesino im Gespräch
■ Seit über zehn Jahren lebt und arbeitet der Fotograf und Filmemacher David Campesino in Dresden. Er stellte seine Videoinstallationen mehrfach auf der Ostrale aus und gewann 2010 den Kurzfilmwettbewerb »Dogs Bones &Catering.« Sein Kurzspielfilm »Gwendolyns Reise« gewann 2012 den Nachwuchsförderpreis des Leipziger Kurzfilmfestivals »Kurzsuechtig«. DRESDNER-Autor Eric Vogel sprach mit ihm über die Wurzeln seines Schaffens, alternative Lebensentwürfe und die Poesie der Bewegung.

Du arbeitest als Fotograf und Filmemacher. Woher kommt deine Faszination für diese eher visuellen Medien?

Das Medium Film hat mein Leben seit meiner Kindheit geprägt und ich glaube, dass der Film viele andere Dinge in sich aufnehmen kann – sei es Musik, Tanz, Geschichten, bildende Kunst und vieles mehr. Im Haus meiner Eltern gab es außerdem eine gut sortierte Videosammlung. In den Sommerferien durfte ich mir tagsüber, wenn es zu heiß war um nach draußen zu gehen, so viele Filme ansehen wie ich mochte. Mein Vater stellte einzig die Bedingung, dass ich nach jedem Film ein paar Zeilen über den Inhalt des Films und meine persönlichen Eindrücke schreibe. Am Abend sprachen wir dann gemeinsam über die Filme. Natürlich habe ich das am Anfang gehasst, weil es sehr anstrengend war, aber mit der Zeit habe ich es sehr zu schätzen gelernt. Dadurch habe ich schon früh einen differenzierten Blick auf das Medium entwickelt.

Dem Dresdner Publikum bist du neben deinen Filmen zum »Dogs, Bones & Catering« vor allem durch deinen Kurzfilm »Another World is Possible« über die BRN 2011 bekannt. Spiegelt der Film deine persönlichen Eindruck von der BRN wieder?

Die BRN ist ein besonderes Wochenende für mich, weil sich die einzigartige Atmosphäre der Neustadt so verstärkt, dass man sie fast schmecken kann. In dem Film wollte ich zeigen, dass eine andere Art von Zusammenleben möglich ist, welches nicht ausschließlich auf kapitalistischen und materiellen Werten fußt, und dass diese Art von Leben schon praktiziert wird. Das ist eine Erfahrung, die ich hier in Dresden zum ersten Mal gemacht habe. In Valladolid, der spanischen Stadt in der ich aufwuchs, war das Wort Künstler eigentlich gleichbedeutend mit Versager. Mütter sagen dort zu ihren Töchtern: »Heirate bloß keinen Künstler, dann ist dein Leben ruiniert und du bist für immer unglücklich und arm.«In dem Film ging es mir weniger darum, die negativen Seiten der BRN zu verklären oder diese Art von Lebensentwurf zum absoluten Ideal zu erheben. Ich sehe mich da auch nicht als Prophet, der eine neue Ordnung ankündigt. Ich nehme ja nur das auf, was schon da ist und bin dabei immer auf der Suche nach der Magie, die den Dingen inne wohnt. Vor allem wollte ich zeigen, dass es noch Menschen gibt, die den Gedanken des Selber-Machens und von-unten-Gestaltens weiter führen. So banal das klingen mag aber ich finde es einfach schön, wenn ganz unterschiedliche Menschen, Junge und Alte, Hippies, Punks, Hare Krishna, Prolls und Familien zusammen kommen und miteinander feiern und tanzen.

Tanz und Bewegung sind Elemente, die sich fast wie ein roter Faden durch deine Filme ziehen. Was begeistert dich an diesem Thema?

Am Anfang hatten meine Filme eigentlich nichts mit dem Thema zu tun, aber dann hatte ich Umgang mit einigen Tänzern und habe angefangen, in diese Richtung zu arbeiten. Bewegung ist ja beim Film – im Unterschied zur Fotografie – ein konstituierendes Element: 25 Bilder pro Sekunde. Ich finde, dass gerade beim Tanz in dem andauernden Kampf gegen die Schwerkraft viel Poesie liegt, die zum Beispiel auch im Zirkus eine große Rolle spielt. Der Film macht es mir möglich, diese Augenblicke fest zu halten, in denen das scheinbar Unmögliche möglich wird.Manche der Filme waren zumindest teilweise dokumentarische Arbeiten zu Tanzprojekten, aber ich finde diese Gattungsbegriffe wie Spiel-, Experimental- oder Dokumentarfilm sehr schwierig. Letztendlich geht es mir darum, Geschichten zu erzählen und zu teilen, wobei jede Geschichte eine eigene Form hervorbringt. Spannend wird es meist dann, wenn man anfängt mit diesen Kategorien und den Erwartungen der Zuschauer zu spielen.

Woran arbeitest du im Moment?

Zusammen mit Julia Tielke habe ich gerade den Film »Geflechtsbericht« fertig gestellt, der die Aktion »Attacke! Auf ins Geflecht!« dokumentiert. Bei dieser kontrovers diskutierten Aktion des Louisen Kombi Naht e.V. haben alte und junge Menschen Anfang des Jahres einen Panzer am Militärhistorischen Museum eingestrickt, und ich habe die Aktion mit der Kamera begleitet.Darüber hinaus arbeite ich gerade zusammen mit Studenten der HfBK an einem Projekt, bei dem acht Videoinstallationen zum Thema Utopie und Wandel entstehen sollen, die von Juli bis September auf der Ostrale gezeigt werden. Für den Schaubudensommer unterstütze ich Annamateur bei ihrer Vorstellung. Wir planen, meine Videoarbeit mir ihren Texten und ihrer Stimme zu einer humorvollen Gesellschaftsanalyse zu verbinden.
Das klingt vielversprechend. Vielen Dank für das Gespräch!

Das Œuvre von David Campesino findet sich vimeo unter www.vimeo.com/davidcampesino Aktuelles unter www.facebook.com/filmcampesino mehr über seinen jüngsten Film »Geflechtsbericht« und das Projekt kann man auf www.geflechtsbereit.de nachlesen.

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